Iraks Präsident kündigt Kompromisslosigkeit gegen Geiselnehmer an

28. Juli 2004, 20:13
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Ein Toter und 15 Verletzte bei Anschlag in Bagdad

Bagdad - Angesichts der neuen Entführungswelle im Irak hat der irakische Präsident Ghazi al Yawar ein kompromissloses Vorgehen gegen die Geiselnehmer angekündigt. "Wer auch immer als Geisel genommen wird - wir werden keinen Cent zahlen und keine Zugeständnisse machen", sagte Yawar am Dienstag nach einem Treffen mit Stammesführern in der westlichen Provinz Anbar, wo ein Großteil der mehr als 20 verschleppten Ausländer vermutet wird. Am Vortag war ein ägyptischer Diplomat von seinen Entführern freigelassen worden.

Bei einem Anschlag in Bagdad wurden ein irakischer Zivilist getötet und 15 Menschen verletzt. US-Außenminister Colin Powell rief zum Auftakt seines Besuchs in Ungarn den Koalitionspartner zum Verbleib im Irak auf.

"Feinde des Volkes"

Bagdad werde mit den Geiselnehmern keine Kompromisse eingehen, sagte Yawar: "Wir werden ihren Forderungen niemals nachgeben oder mit ihnen verhandeln." Die Entführer seien "Feinde des Volkes" und allein auf Lösegeld aus, sagte der irakische Präsident. Dies sei eine "Schande". "Ist es normal, dass sich jemand als Moslem bezeichnet, der Lastwagenfahrer entführt, die zum Geldverdienen ins Ausland gehen?", fragte er. Zugleich betonte Yawar, dass das Amnestieangebot Bagdads nicht für Mörder von Amerikanern oder Arabern gelte.

Ein ägyptischer Diplomat, der am Montag nach drei Tagen Geiselhaft freikam, betonte dagegen, bei den Entführern handle es sich nicht um gewöhnliche Kriminelle, sondern um Islamisten. Sie hätten für seine Freilassung kein Lösegeld verlangt, sagte Mohammed Mamduh Hilmi Kotb am Dienstag. Mit der Geiselnahme hätten sie der Regierung in Kairo ihre Unzufriedenheit angesichts der wachsenden Beziehungen zwischen Ägypten und der irakischen Übergangsregierung übermitteln wollen, sagte Kotb. Der Mitarbeiter der ägyptischen Vertretung im Irak war am Freitag von maskierten Männern verschleppt worden, die sich als "Löwen Allahs" ausgaben. Es war das erste Mal, dass im Irak ein ausländischer Diplomat entführt wurde.

Kenia und Pakistan riefen unterdessen erneut zur Freilassung von verschleppten Bürgern auf. Der kenianische Außenminister Chirau Ali Mwakwere erklärte in Nairobi, sein Land habe "weder Soldaten noch Beobachter, offizielle Vertreter oder Firmen im Irak" und habe sich während des Konflikts neutral verhalten. Nairobi rufe die Entführer dazu auf, die drei kenianischen Geiseln umgehend freizulassen. Auch die pakistanische Regierung betonte, die beiden pakistanischen Geiseln stünden in keiner Verbindung zur internationalen Politik.

Unter anderem befinden sich im Irak zurzeit zwei Jordanier sowie drei kenianische, drei indische und ein ägyptischer Lastwagenfahrer in der Gewalt von Entführern. Eine Gruppe namens "Islamische Armee" hatte zudem die Ermordung von zwei pakistanischen und einer irakischen Geisel angekündigt. (APA)

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