Hinweise auf iranische Urananreicherung verdichten sich

31. Juli 2004, 12:31
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Produktion von verdächtigem Gas aufgedeckt - Fischer warnt Teheran vor Herstellung waffenfähigen Materials

Wien/Berlin - Die Hinweise auf eine Wiederaufnahme der Produktion von atomwaffenfähigem Uran im Iran verdichten sich weiter. Diplomaten der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA bzw. IAEO) in Wien sagten am Mittwoch der Nachrichtenagentur AP, Teheran teste zurzeit nicht nur entsprechende Ausrüstungen, sondern habe auch Uran-Hexafluorid hergestellt - ein Gas, das in Zentrifugen zu waffenfähigem Material angereichert werden kann. Der deutsche Außenminister Joschka Fischer warnte den Iran davor, die Auflagen der IAEA zu missachten.

Bau von Zentrifugen wieder aufgenommen

"Ich hoffe, dass Teheran begreift, dass es einer Fehlkalkulation unterliegt", sagte Fischer in einem Interview des Fernsehsenders n-tv. Die jüngsten Nachrichten aus Wien erfüllten ihn mit "großer Sorge". Am Dienstag hatten IAEA-Beamte mitgeteilt, der Iran habe den Bau von Zentrifugen zur Herstellung von hochangereichertem Uran wieder aufgenommen. Allerdings wurde Teheran vorerst noch nicht vorgeworfen, auch mit der Anreicherung selbst begonnen zu haben.

Am Mittwoch folgte dann der Hinweis auf das Gas Hexafluorid. Den Diplomaten zufolge könnte diese Produktion allerdings ein Nebeneffekt der Testphase an den Zentrifugen sein. Über die Menge des gewonnenen Gases wurde nichts bekannt. Gleichwohl erregte schon der iranische Schritt an sich in IAEA-Kreisen große Besorgnis. Ein Diplomat kündigte eine genaue Prüfung des Sachverhalts an.

Der Iran hatte im vorigen Jahr unter internationalem Druck die Anreicherung von Uran und den Bau von Zentrifugen gestoppt. Im Gegenzug hatten Frankreich, Großbritannien und Deutschland die Lieferung von Atomtechnik für Kraftwerke in Aussicht gestellt. Fischer erklärte, mit der europäischen Initiative habe man versucht, das islamische Land auf einen anderen Kurs zu bringen. Der jüngste Schritt Teherans sei nicht im Interesse des Irans und der Region. Der Iran hat wiederholt bestritten, ein Programm zur Herstellung von Atomwaffen zu verfolgen. (APA/AP)

Der Iran hatte Ende Juni angekündigt, den Bau von Zentrifugen für die Urananreicherung wieder aufzunehmen. Ein Außenamtssprecher in Teheran hatte erklärt, die Anreicherung von Uran selbst bleibe aber weiter ausgesetzt.
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