KFOR-Sprecher: "Wir haben einen Bürgerkrieg verhindert"

29. Juli 2004, 09:49
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UNO und KFOR weisen Vorwurf des Versagens im Kosovo zurück

Pristina - Die Vereinten Nationen und die von der NATO geführte Internationale Schutztruppe KFOR haben Vorwürfe, sie hätten bei ihrer Mission in der südserbischen Provinz Kosovo versagt, zurück gewiesen. "Wir haben bei den Unruhen Mitte März einen Bürgerkrieg verhindert", sagte KFOR-Sprecher Horst Pieper am Dienstag in Pristina. Auch die UNO-Verwaltung (UNMIK) widersprach dem Vorwurf des Misserfolges und der Untätigkeit. Viele der 9.000 eingesetzten internationalen Polizisten seien bei dem Gewaltausbruch verwundet worden, hieß es in einer Stellungnahme. In einem am Dienstag veröffentlichten Bericht zu den Unruhen hatte Human Rights Watch (HRW) geurteilt, UNMIK und KFOR seien "katastrophal gescheitert".

Die Menschenrechtsorganisation kommt in ihrer 66-seitigen Studie, die unter anderem auf Interviews mit Opfern und Sicherheitskräften beruht, zum Schluss, dass KFOR und UNMIK-Polizei bei den Ausschreitungen aufgebrachter Albaner gegen die serbische Minderheit viel zu spät eingegriffen hätten. Es werden zahlreiche Fälle aufgezählt, bei denen Angehörige der serbischen Volksgruppe offenbar schutzlos der Gewalt der albanischen Randalierer ausgesetzt gewesen sind. Fast 48 Stunden hätten KFOR und UNMIK-Polizei die Kontrolle über der Provinz verloren.

"Das Äußerste getan"

Bei den schweren Ausschreitungen waren 19 Menschen ums Leben gekommen. Rund 550 serbische Häuser und 27 serbisch-orthodoxe Kirchen und Klöster waren niedergebrannt und über 4.000 Serben vertrieben worden.

"Wir haben das Äußerste getan, um Menschenleben zu retten", sagte der KFOR-Sprecher. Schließlich seien 1.200 Angehörige von Minderheiten in Stützpunkten der Schutztruppe aufgenommen worden. "Innerhalb von Stunden sind zudem Verstärkungskräfte in Marsch gesetzt worden." Aus dem KFOR-Hauptquartier wurde auch auf die Gefahr eines militärischen Eingreifens Serbiens hingewiesen, falls die internationalen Einheiten wirklich nicht Herr der Lage geworden wären. (APA/dpa)

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