Sieben Monate Haft für selbst ernannten "Rasta-Apostel"

28. Juli 2004, 16:09
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"Haschisch rauchen ist meine Religion" - Mit Jugendlichen wollte 56-Jähriger Wiener im Pazifik seinen Glauben leben

"Das tagtägliche Haschisch rauchen ist meine Religion", dozierte ein 56-jähriger Wiener im Straflandesgericht. Man könnte ihn den Haile Selassie des Wiener Burggartens nennen, wo der klein gewachsene, mit grauer Mähne und wucherndem Vollbart in Erscheinung tretende Mann dank fast täglicher Anwesenheit bekannt ist wie ein "bunter Vogel". Seine "Religion" hat ihm bereits 19 Vorstrafen eingebracht. "Wann haben Sie zum letzten Mal was geraucht?" wollte Richter Friedrich Zeilinger wissen. "Heute zum Frühstück, Herr Rat", entgegnete der Mann grinsend.

Dabei hatte er das Licht der Welt im eher bodenständigen Linz erblickt. Doch schon in jungen Jahren begannen sich seine Interessen dem Rastafarianismus zuzuwenden. Die meiste Zeit lebt der Mittfünfziger nunmehr in einem Tipi am Wiener Stadtrand, als Beruf gab er auf Befragen des Richters "Künstler" an. Dem Einwand, damit noch nie etwas verdient zu haben, begegnete er mit einer lässigen Handbewegung: "Das kommt schon noch!"

"Spirituelle Erleuchtung"

Zur Bewusstseinserweiterung ist der Mann nach eigenem Bekunden seit seinem 18. Lebensjahr auf Haschisch und Marihuana angewiesen. Im Jahr 2001 ereilte ihn dann eine "spirituelle Erleuchtung": Er begründete auf der Donauinsel eine "spirituelle Gruppe" und fungierte als deren Führer. "Ich bin ein Apostel, ein Rasta-Apostel", versuchte er das Gericht zu überzeugen.

Mit 13 Jugendlichen wollte er auf die Tonga-Inseln im Südpazifik auswandern, um dort mit diesen seine Religion zu leben. Man setzte sich zunächst in den Zug nach Amsterdam, wo der Gruppe allerdings gleich das Geld ausging. Der Mann wurde festgenommen, die Jugendlichen heimgeschickt.

Da ein 16-jähriges Mädchen dabei war, um das sich die Eltern große Sorgen gemacht hatten, hatte die Staatsanwaltschaft den selbst ernannten Apostel nicht nur nach dem Suchtmittelgesetz, sondern auch wegen Kindesentziehung angeklagt.

Keine Entführung

Das Gericht räumte allerdings ein, das Ganze sei keine Entführung gewesen. Die "Zöglinge" des Mannes hätten selbst eine "beträchtliche Energie" an den Tag gelegt, um mit von der Partie sein zu können. Der 56-Jährige wurde daher mit sieben Monaten Freiheitsstrafe vergleichsweise milde bestraft. Die hat er in der U-Haft bereits abgesessen, so dass er als freier Mann nach Hause gehen konnte.

"Ich glaube an die Idee", rückte er von seinen Idealen nicht ab. Er werde weiter rauchen. "Suchen Sie Ihr Heil im Südpazifik", empfahl ihm der Richter, der ihm eines voraus hat: Er war bereits auf den Tonga-Inseln. Wenn auch nicht in Sachen Rastafari, sondern als Urlauber.

"So ist es ja auch nicht, dass man dort alles darf", belehrte er aus eigener Wahrnehmung den Beschuldigten. "Wir wollten ja auf eine unbewohnte Insel", konterte dieser und verließ mit seiner 20-jährigen Lebensgefährtin lächelnd den Verhandlungssaal. Zuvor hatte er den Richter und die Staatsanwältin noch zu einer Ausstellung eingeladen ("250 Bilder!") und um Herausgabe seines Reisepasses ersucht: Als nächstes möchte er in der Kalahari seine Erfüllung finden. (APA)

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