Kellner wegen Vergewaltigung eines Lehrmädchens vor Gericht

28. Juli 2004, 09:15
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Junge Steirerin beschuldigte Ausbildner - Verhandlung am Grazer Straflandesgericht vertagt

Der Oberkellner eines südsteirischen Hotels soll zwei Mal ein 16-Jähriges Lehrmädchen des gleichen Betriebes vergewaltigt haben: Mit diesen Vorwürfen musste sich am Dienstag ein Grazer Schöffensenat (Vorsitz: Karin Kohlroser) auseinander setzen. Der Beschuldigte bestritt jede Anwendung von Gewalt: "Wir haben ein Verhältnis gehabt", erklärte er. Die Verhandlung wurde vertagt.

In der Anklageschrift scheint alles klar und einfach: Der Oberkellner, er ist für die Ausbildung des Lehrlings zuständig, soll das Mädchen zwei Mal zu sich in die Wohnung mit genommen haben und die junge Frau dort vergewaltigt haben. Wochen später, als die 16-Jährige einen neuen Freund hatte, vertraute sie sich Kolleginnen an. Die Folge: Der Kellner wurde fristlos entlassen und sofort in Haft genommen.

Ungereimtheiten

"Sie hat alles freiwillig gemacht. Wir haben ein Verhältnis gehabt, was nicht in Ordnung war, aber sonst war nichts", rechtfertigte sich der 50-jährige Angeklagte. "Warum sollte sie Sie so massiv belasten?", wollte die Richterin wissen. "Weil sie einen neuen Freund hatte, und der machte ihr Vorwürfe, dass sie mit so einem alten Mann ins Bett gegangen war."

Bei näherer Befragung zahlreicher Zeugen tauchten mehrere Ungereimtheiten auf: Das Opfer hatte erst Wochen nach den angeblichen Vorfällen über Schmerzen geklagt. Außerdem hatte sie von ihrem angeblichen Peiniger beim ersten Treffen - der angeklagten ersten Vergewaltigung - einen fünftägigen Urlaub erbeten und auch bekommen.

Dass der Angeklagte ein "Grapscher" war, bestätigten fast alle Kolleginnen des Lehrmädchens. Aber zu massiveren Übergriffen sei es nicht gekommen. Ob Zwang oder nicht Zwang, das ließ sich zunächst nicht klären. "Sie hat gedacht, sie muss das tun, damit sie nicht ihre Stelle verliert", vermutete eine andere Kellnerin. Da eine wichtige Zeugin fehlte, wurde die Verhandlung auf September vertagt. (APA)

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