Porträt: Schüssels "lächelnde Löwin" auf dem Sprung nach Brüssel

27. Juli 2004, 17:14
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Benita Ferrero-Waldner wird Österreichs neue EU-Kommissarin

Wien - Nach der schmerzlichen Niederlage gegen Heinz Fischer im edlen Wettstreit um das Amt des österreichischen Bundespräsidenten kann Benita Ferrero-Waldner (V) nun ihr Markenzeichen wieder unbeschwert tragen - und zwar nach Brüssel: Von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel als neue österreichische EU-Kommissarin nominiert, nimmt die 55-jährige Außenministerin, jetzt wieder breit lächelnd, die nächste Stufe ihrer persönlichen Karriereleiter.

Ihre Popularität im Land verdankt die gebürtige Salzburgerin auch mehr als vier Jahre danach noch immer in erster Linie ihrem Einsatz gegen die EU-Sanktionen im Jahr 2000. "Wie eine Löwin" habe sie damals für Österreich gekämpft, wurde sie seither nicht müde, die Öffentlichkeit daran zu erinnern, zuletzt im Präsidentschaftswahlkampf. Kritiker warfen und werfen ihr allerdings Ungeschicklichkeit in so manch anderer kritischen Situation vor.

Schüssel-loyal

Geboren wurde Ferrero-Waldner am 5.September 1948 in Salzburg. Nach AHS-Matura und abgeschlossenem Jus-Studium war sie Jahre lang in Deutschland in der Privatwirtschaft tätig, ehe sie 1984 in den diplomatischen Dienst eintrat. Im Einsatz war Ferrero-Waldner in den Jahren darauf unter anderem an den österreichischen Botschaften in Madrid, Dakar und Paris. Vor ihrem Einstieg in die Politik war sie unter UNO-Generalsekretär Boutros Boutros-Ghali Protokollchefin der Vereinten Nationen in New York. 1995 wurde Ferrero-Waldner vom damaligen Vizekanzler Wolfgang Schüssel (V) als Staatssekretärin ins Außenministerium geholt, mit der Etablierung der schwarz-blauen Regierung im Jahr 2000 stieg sie zur Ressortchefin auf.

Ferrero-Waldner galt immer als loyale Vertrauensperson Schüssels. Dementsprechend überrascht es auch diesmal wenig, dass der Kanzler und VP-Chef sie nach Brüssel schickt. Manch anderer Spitzenpolitiker der Volkspartei war mit Ferrero nicht immer so glücklich. So focht etwa Innenminister Ernst Strasser - der ebenfalls als potenzieller EU-Kommissar im Gespräch war - einige Sträuße mit ihr aus. Und geradezu legendär war das gespannte Verhältnis zwischen der Außenministerin und Präsidenten-Gattin Margot Löffler-Klestil. Daher hielten es die meisten Beobachter auch nicht für ein Versehen, dass der verstorbene Bundespräsident Thomas Klestil bei den letzten beiden Angelobungen Ferrero-Waldners ihren Vornamen jeweils auf "Benito" umtaufte. Mit Klestils Nachfolger Fischer fand sie schnell wieder ein entkrampftes Verhältnis.

Ihre stärkste Phase hatte die Karriere-Diplomatin sicher in der Zeit der Sanktionen gegen die erste schwarz-blaue Regierung. Unermüdlich lächelnd und hartnäckig trat die Außenministerin bei allen EU-Events auf, um für Österreich positive Stimmung zu machen. Inwieweit tatsächlich Ferrero-Waldner Einfluss auf das relativ rasche Ende der Sanktionen hatte, kann kaum endgültig beurteilt werden - in der österreichischen Bevölkerung machte sie ihr Einsatz jedoch zur Heldin. Positiv fiel in dieser Phase auch auf, dass sie unter schwierigen Bedingungen eine reibungslose OSZE-Präsidentschaft ablieferte. Als Erfolg ihrer Amtszeit gilt die Wieder-Entsendung eines israelischen Botschafters nach Wien. Gescheitert ist Ferrero-Waldner mit ihren Bemühungen, eine Streichung Kurt Waldheims von der Watch List zu erreichen.

Generell fand die Außenministerin aber nicht überall Anklang. In schwierigen Situationen habe sie oft Krisenfestigkeit vermissen lassen, meinen Kritiker. Gemeint war dabei unter anderem ihr als zu gering kritisierter Einsatz für die bei den Anti-Globalisierungs-Protesten in Genua verhafteten Aktivisten der Volxtheaterkarawane. Auch nicht nur auf Zustimmung - vor allem nicht bei der UNO - stieß die blitzartige Heimholaktion eines Polizisten, der im Kosovo unter Folterverdacht stand. Bei der Befreiung der Sahara-Geiseln wurde Ferrero-Waldner vorgehalten, zu früh mit Informationen an die Öffentlichkeit gegangen zu sein. Zuletzt sorgte sie mit ihrer vielfach als ambivalent bewerteten Haltung in Sachen Beistands-Pflicht für einiges Aufsehen.

Ferrero-Waldner heiratete 1974 in erster Ehe den bayerischen Mittelschullehrer Wolfgang Sterr. Diese Ehe wurde 1983 geschieden. Sie heiratete 1993 in zweiter Ehe den Literaturprofessor Francisco Ferrero-Campos. 2003 erfolgte nach der - nicht unumstrittenen - Annullierung der ersten Ehe die kirchliche Trauung in Salzburg. Aus beiden Ehen gibt es keine Kinder. (APA)

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