Grüne benannten Rossauer in Bernardis-Kaserne

27. Juli 2004, 11:29
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Entsprechende Tafel ohne Zwischenfälle angebracht - Pilz: Selbstverständlichkeit, sich zum militärischen Widerstand zu bekennen

Wien - Die Grün-Abgeordneten Peter Pilz, Terezija Stoisits und Wolfgang Zinggl haben am Dienstag die Rossauer Kaserne durch Anbringen einer entsprechenden Tafel in Robert Bernardis-Kaserne umbenannt. Bernardis war am misslungenen Hitler-Attentat beteiligt und wurde aus diesem Grund 1944 hingerichtet. Zum heurigen 60. Jahrestag des Putschversuchs am 20. Juli 1944 wurde seitens der Opposition, aber auch Vertretern der ÖVP erneut die Forderung laut, die Rossauer Kaserne nach dem Widerstandskämpfer umzubenennen. Verteidigungsminister Günther Platter (V) erteilte diesem Wunsch jedoch eine Absage und will nun in Enns eine Gedenktafel anbringen lassen.

Es sei eine "Selbstverständlichkeit, dass man sich auch zum militärischen Widerstand bekennt", meinte Pilz, der zuvor beim Befestigen der Tafel exakt unter dem Schild "Bundesministerium für Landesverteidigung" auch selbst zur Bohrmaschine gegriffen hatte. Doch Platter habe sich dem Druck des kleineren Koalitionspartners FPÖ gebeugt und scheue sich davor, mitten in der Bundeshauptstadt dieses Bekenntnis abzulegen, kritisierte Pilz.

Stoisits betonte, "wir werden uns nicht mit einem verschämten Taferl irgendwo in einem versteckten Hof zufrieden geben". Man wolle kein verschämtes Gedenken, "sondern ein öffentliches Bekenntnis". Stoisits kündigte zudem an, ihren Kampf nach Anerkennung aller Deserteure als Opfer des NS-Regimes fortzusetzen. Derzeit werden vom Nationalfonds auf Grund der gesetzlichen Vorgaben Deserteure nur in Einzelfällen anerkannt. Hermine Bernardis übrigens, die Witwe des 1944 Hingerichteten sowie ihr 1940 geborener Sohn werden vom Nationalfonds als NS-Opfer geführt.

Bei der Aktion nicht anwesend war der ÖVP-Abgeordnete Vincenz Liechtenstein, der teilnehmen wollte, sich dann aber am Dienstag wegen eines Krankenhausaufenthalts entschuldigen ließ. In einer den anwesenden Journalisten übermittelten schriftlichen Erklärung betonte Liechtenstein, "Robert Bernardis ist ein Vorbild für uns alle - insbesondere für die Soldaten unseres Bundesheeres. In Deutschland wurde bereits vor über 40 Jahren eine Kaserne nach dem deutschen Helden Claus Schenk Graf von Stauffenberg benannt. Die Verantwortlichen in Österreich haben noch immer nicht eine passende Form der Ehrung für unseren österreichischen Helden gefunden."

Zur Grün-Aktion eingefunden hat sich dafür SPÖ-Bundesrat Albrecht Konecny. Er hat nun auf Wien-Ebene die Umbenennung des Stückes Weg vor der Rossauer Kaserne, das derzeit Teil der Roßauer Länder ist, in "Robert Bernardis-Weg" initiiert, sagte Konecny am Rand der Veranstaltung zur APA.

Platter teilte am Dienstag zu dem Thema in einer Aussendung mit, er wolle die Rolle der Soldaten aus Österreich im Widerstand gegen Hitler "sensibel aufarbeiten". Er habe heuer bereits drei Initiativen gesetzt. So habe er vergangene Woche die Witwe Bernardis besucht. Im Mai habe im Heeresgeschichtlichen Museum die Ausstellung "Tyrannenmord - der 20. Juli 1944 und Österreich" eröffnet und schließlich habe er die Landesverteidigungsakademie beauftragt, für Herbst ein zeithistorisches Symposium vorzubereiten. "Dieses soll zu einer grundsätzlichen Aufarbeitung rund um Bernardis beitragen", so der Minister. Im Rahmen dieses Symposiums soll auch eine Gedenktafel für Bernardis in Enns enthüllt werden.

Wie das Verteidigungsministerium nun mit der von den Grünen angebrachten Tafel verfahren werde, dazu wollte sich Sprecher Martin Brandstötter auf APA-Anfrage nicht äußern. Brandstötter verwies lediglich darauf, dass der Minister das Thema "sensibel handhaben" wolle. Gefragt, ob den Grünen nun eine Anzeige wegen Sachbeschädigung drohe, meinte der Platter-Sprecher, darüber habe man sich bisher keine Gedanken gemacht. Pilz selbst zeigte sich dessen bewusst, dass die Grünen hier belangt werden könnten. Doch was sei eine geringfügige Sachbeschädigung gegen Rufschädigung.

Die Tafel wird übrigens - so sie von Platter hängen gelassen bleibt, wovon Pilz ausgeht - in den nächsten Tagen von den Grünen gegen eine neue ausgetauscht. Bei der Produktion ist nämlich ein Fehler passiert und Bernardis wurde des zweiten r beraubt. Noch heute Nachmittag soll der Fehler vorerst einmal durch Überkleben ausgebessert werden. Der Text der rot-weiß-rot-umrandeten Tafel lautet: "Robert Bernardis-Kaserne. Im Gedenken an Oberstleutnant des Generalstabs Robert Bernardis, der am 20. Juli 1944 im militärischen Widerstand gegen Hitler aktiv war und am 8. August 1944 von den Nationalsozialisten in Berlin ermordet wurde." Die Anbringung der Tafel am Dienstag Vormittag wurde weder durch Polizei noch durch Mitarbeiter des Verteidigungsministeriums unterbunden. (APA)

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