Reuters übertrifft Gewinnerwartungen im ersten Halbjahr

30. Juli 2004, 14:41
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Marktumfeld im zweiten Quartal wieder etwas schwieriger geworden

Der britische Nachrichten- und Informationskonzern Reuters Group hat seinen Gewinn im ersten Halbjahr dank Kostensenkungen überraschend stark gesteigert, erwartet aber zunächst weiter kein Umsatzwachstum. "Es ist für uns keine Frage, dass wir auch bei den Erlösen wieder zulegen werden", sagte Firmenchef Tom Glocer am Dienstag nach Vorlage der Zahlen in London. "Es geht nur um das 'Wann' und nicht um das 'Ob'."

Fraglich sei aber, ob die Rückkehr zum Wachstum in einem Zeitraum von zwölf Monaten zu schaffen sei. Analysten äußerten sich enttäuscht über den Ausblick. Die Aktien brachen zeitweise um fast sieben Prozent ein.

Das Ergebnis vor Steuern, Abschreibungen und Sonderposten bezifferte der weltgrößte börsennotierte Anbieter von Finanzmarktnachrichten und -daten für die ersten sechs Monate mit 136 Millionen Pfund (206 Millionen Euro) nach 87 Millionen Pfund vor einem Jahr. Analysten hatten im Schnitt lediglich 122 Millionen Pfund erwartet. Im Halbjahr setzte Reuters mit dem Verkauf von Nachrichten und Daten an Abonnenten an den Finanzmärkten - dem Kerngeschäft des Unternehmens - 1,09 Milliarden Pfund um und damit etwas weniger als erwartet. Allein im abgelaufenen Quartal sanken diese Umsätze, die mehr als 90 Prozent der Gesamterlöse ausmachen, um 6,2 Prozent.

"So wie der Abschwung in der Finanzbranche nicht linear war, wird dies wohl auch der Aufschwung nicht ein", sagte Glocer bei einer Analystenkonferenz. Das Marktumfeld sei im zweiten Quartal wieder etwas schwieriger geworden. Doch eine verbesserte Wettbewerbsfähigkeit und Kostenkontrolle sollten im Jahresverlauf zu einer schrittweisen Belebung führen. Reuters prognostizierte für das laufende Vierteljahr einen Rückgang der Umsätze im Kerngeschäft von rund fünf Prozent.

"Umsatzwachstum im nächsten Jahr schwierig"

Analysten erkannten in den Äußerungen Glocers eine Warnung vor verfrühtem Optimismus. "Dies bedeutet wohl, dass eine Rückkehr zu Umsatzwachstum im nächsten Jahr schwierig werden dürfte", sagte ein Branchenexperte. Langfristig sei es allerdings auch nicht so wichtig, ob Reuters 2005 oder erst 2006 wieder wachsen werde. Ein Händler betonte, der Markt blicke nervös auf die Geschäftsentwicklung der Investmentbanken: "Wenn wir keine Einnahmen erzielen, tut dies auch Reuters nicht", sagte er.

Einsparungen von 440 Millinoen Pfund

Das Traditionsunternehmen hatte 2003 vor Steuern wieder schwarze Zahlen geschrieben nach einem Rekordverlust von 493 Millionen Pfund im Jahr zuvor. Grund für die Rückkehr in die Gewinnzone war ein harter Sparkurs. Für das laufende Jahr erhöhte das Unternehmen seine Kosteneinsparziele aus dem Programm "Fast Forward" auf 230 Millionen Pfund von zuvor angestrebten 220 Millionen Pfund. Bis 2006 strebt Reuters jedoch unverändert Einsparungen von 440 Millionen Pfund an. Bisher sparte Reuters im Rahmen des Programms unter anderem durch Stellenstreichungen rund 155 Millionen Pfund ein. (APA/Reuters)

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