Khartum protestiert gegen EU-Sanktionsdrohungen

27. Juli 2004, 19:44
2 Postings

Britischer und deutscher Botschafter ins Außenamt zitiert - Außenminister Fischer droht neuerlich mit Sanktionen

Khartum/Berlin - Der britische und der deutsche Botschafter im Sudan sind in das Außenministerium in Khartum zitiert worden. Dem Vernehmen nach beschwerte sich die sudanesische Regierung über die Sanktionsdrohungen der EU für den Fall, dass die Menschenrechtsverletzungen in der Darfur-Region fortdauern. In einer EU-Erklärung vom Montag hieß es, angesichts der Lage in Darfur sollten die Vereinten Nationen eine Resolution verabschieden, die weitere Maßnahmen - einschließlich Sanktionen - vorsehe.

Staatschef Omar al Bashir hatte am Montag in einem BBC-Gespräch betont, er sei überzeugt, dass sich das Problem durch "konstruktiven Dialog" lösen lasse. Außenminister Mustafa Osman Ismail bestritt, dass es sich um einen ethnischen Konflikt zwischen arabischen und schwarzafrikanischen Bevölkerungsgruppen handle. Bashir hatte zuvor den internationalen Druck auf sein Land als "Angriff auf den Islam" kritisiert. Die "internationale Kampagne" wolle die Ausbreitung des Islam in Sudan verhindern.

Fischer: "Töten beenden"

Der deutsche Außenminister Joschka Fischer hat der sudanesischen Regierung neuerlich mit Sanktionen der internationalen Gemeinschaft gedroht, wenn das Töten in der Krisenregion Darfur nicht beendet werde. Im Weltsicherheitsrat liege ein Resolutionsentwurf auf dem Tisch, sagte Fischer am Dienstag in Berlin. Sollte es zu keiner befriedigenden Umsetzung mit der Regierung in Khartum kommen, müsse das afrikanische Land mit Sanktionen rechnen. Die sudanesische Regierung sei verpflichtet, das Töten zu beenden und eine humanitäre Katastrophe zu vermeiden.

Das sudanesische Regime ist nach Erkenntnissen der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch direkt in die Vertreibung und Ermordung Hunderttausender Schwarzafrikaner durch arabische Terrormilizen verwickelt. Der Direktor von Human Rights Watch, Kenneth Roth, präsentierte in New York mehrere von sudanesischen Regierungsmitgliedern unterzeichnete Dokumente, die beweisen, dass die Janjaweed-Reitermilizen bei der Rekrutierung neuer Kämpfer und deren Bewaffnung vom Regime unterstützt worden sind. (APA/dpa)

Share if you care.