Deutscher Aufschwung setzt sich fort

28. Juli 2004, 14:44
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Ifo-Chef: Umfrage-Ergebnisse sprechen für Fortsetzung der Aufwärtsentwicklung im zweiten Halbjahr - Auch Bundesbank sieht stärkeres Wachstum

München - Der deutsche Ifo-Geschäftsklimaindex ist im Juli stärker als erwartet gestiegen. Dabei bewerteten die befragten Unternehmen sowohl ihre aktuelle Geschäftslage als auch ihre Geschäftsaussichten besser als im Vormonat.

Der Ifo-Index stieg auf 95,6 von 94,6 Punkten im Juni, wie das Münchner Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) am Dienstag mitteilte. "Die Umfrageergebnisse sprechen für eine Fortsetzung der konjunkturellen Aufwärtsentwicklung im zweiten Halbjahr", erklärte Ifo-Chef Hans-Werner Sinn. Dabei seien bis auf das Bauhauptgewerbe aus allen untersuchten Bereichen positive Impulse für das Geschäftsklima gekommen.

Volkswirte hatten im Schnitt mit einem Anstieg des Index auf 95,0 Zähler gerechnet. Der Teilindex zur Lageeinschätzung stieg von 93,2 auf 94,1 Punkte, wie das Ifo weiter mitteilte. Der Teilindex zu den Geschäftserwartungen stieg von 96,0 auf 97,1 Punkte.

Bundesbank: "Erstes Halbjahr stimmt optimistisch"

Auch nach Einschätzung der Bundesbank wird die deutsche Wirtschaft 2004 stärker wachsen als prognostiziert. Statt des geschätzten Plus beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 1,6 Prozent seien durchaus 1,8 Prozent möglich. "Das erste Halbjahr stimmt optimistisch", sagte Bundesbank-Präsident Axel Weber am Montagabend in Frankfurt. "Die konjunkturelle Wende ist nach hartnäckiger Stagnation abgeschlossen." Das zweite Quartal sei mit einem realen Wachstum von rund 0,5 Prozent besser ausgefallen als die ersten drei Monate mit 0,4 Prozent.

Die Bundesbank folgt in ihrer Prognose den Wirtschaftsweisen, die vor einer Woche ihre Schätzung auf 1,8 Prozent angehoben hatten. Der gute Export gleiche die schwache Binnennachfrage mehr als aus, sagte Weber. Die Konjunkturannahmen der Bundesregierung von 1,5 bis 2,0 Prozent könnten sich in diesem Jahr wieder erfüllen.

Weber rief die Bundesregierung zu zusätzlichen Sparbemühungen auf. Das Wachstum gebe Deutschland die Chance, 2005 den europäischen Stabilitätspakt und seine Vorgaben zum Staatsdefizit einzuhalten. "Das Ziel der Drei-Prozent-Grenze ist in Reichweite", sagte Weber. Es erfordere aber zusätzliche Einsparungen von 7 Mrd. Euro - das entspreche einem Viertelprozentpunkt des BIP. Bund, Länder und Gemeinden müssten mit dem Abbau von Subventionen wie der Eigenheimzulage und einer aktiven Arbeitsmarktpolitik diese Summe einsparen. Für 2004 erwartet Weber, dass das deutsche Staatsdefizit den Vorjahresstand von 3,9 Prozent des BIP noch übertreffen wird. Gründe seien die Einkommenssteuersenkung sowie Ausfälle bei Tabak- und Mineralölsteuer.

Absage an generelle Arbeitszeit-Verlängerung

Längere Arbeitszeiten zur Sicherung von Arbeitsplätzen wie bei Siemens und DaimlerChrysler sollten nach Worten Webers eine Ausnahme bleiben. "Ich postuliere längere Arbeitszeiten nicht generell als Allheilmittel." Punktuell könnten in einzelnen Betrieben solche Schritte notwendig sein, um Jobs und die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.

Zur Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) gab Weber kein neues Signal. In den vergangenen Wochen hatte er wie andere Ratsmitglieder auch verdeutlicht, dass die Notenbank vorerst trotz der anhaltenden Konjunkturerholung noch keine Inflationsgefahren heraufziehen sieht und deshalb noch keine Zinserhöhung vorbereitet. In Deutschland seien die Verbraucherpreise mit Raten nahe zwei Prozent in den vergangenen Monaten zwar nicht mehr ganz so konsumfreundlich gewesen. Doch mittelfristig seien die Aussichten für stabile Preise günstig. (APA/dpa/Reuters)

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