Analysten sehen den Anfang vom Ende

27. Juli 2004, 17:15
2 Postings

Hoffnungen auf Rettung des russischen Ölkonzerns schwinden - "Signale dafür, dass der Markt aufgibt"

Moskau - Die Aktien des russischen Ölkonzerns Yukos haben am Montag mehr als ein Fünftel ihres Wertes eingebüßt. Händler sehen Anzeichen dafür, dass die Anleger offensichtlich immer weniger an eine Rettung des Unternehmens glauben. Die in Dollar gehandelte Aktie von Yukos fiel in Moskau um 21,5 Prozent auf 4,20 Dollar und verlor damit seit Mittwoch rund 50 Prozent an Wert.

"Von Panik-Phase nicht mehr weit entfernt"

"Wir bekommen die ersten Signale dafür, dass der Markt aufgibt", sagte Analyst Kacha Kiknawelidse von Troika Dialog. "Ich denke nicht, dass wir schon in der Panik-Phase sind, aber wir sind davon nicht mehr weit entfernt." Angesichts der Kursverluste wurden die Rubel-Aktien von Yukos an der Micex-Börse sogar eine Stunde lang vom Handel ausgesetzt. "Leute, die in der Hoffnung auf einen Kurssprung gekauft hatten, verkaufen nun wieder", sagte der Aktienhändler Timur Nasardinow von Troika Dialog. "Ein Mangel an Liquidität spielt ebenfalls gegen Yukos." Die Umsätze seien zwar minimal, aber dies löse zum Teil die kräftigen Kursverluste aus.

Der russische Staat fordert von Yukos Steuernachzahlungen von sieben Mrd. Dollar für 2000 und 2001. Die Zukunft des Unternehmens hängt zunehmend davon ab, ob der Mehrheitsaktionär und ehemalige Yukos-Chef Michail Chodorkowski sich mit den Behörden einigen kann. Allerdings gilt gerade Chodorkowski wegen seiner politischen Ambitionen als der wahre Grund, weshalb die russischen Behörden so hart gegen Yukos vorgehen. Chodorkowski selbst sitzt seit Oktober wegen des Vorwurfs der Steuerhinterziehung und des Betruges in Haft. Viele seiner engsten Mitarbeiter haben Russland bereits verlassen. Die Behörden werfen einer wachsenden Zahl von Yukos-Großaktionären mittlerweile Vergehen vor.

Management machtlos

Dem derzeitigen Management von Yukos sind derweil die Hände gebunden. Zwar hätte es eine bereits fällig gewordene Steuernachzahlung von 3,4 Mrd. Dollar bezahlen können, doch waren die Konten des Konzerns im Rahmen der Betrugsermittlungen eingefroren worden. Nun droht ein Verkauf des Kerngeschäfts des Unternehmens, Yuganskneftegaz, durch die Gerichtsvollzieher. Yugansk produziert rund 60 Prozent der 1,7 Millionen täglich von Yukos geförderten Barrel Rohöl. Bei einem Verkauf würde Yukos der Bankrott drohen, zumal das Unternehmen fürchtet, Yugansk werde in einem erzwungenen Eilverkauf nur rund 1,75 Mrd. Dollar einbringen - ein Bruchteil des von Yukos auf 30 Mrd. Dollar geschätzten Wertes.

Yugansk-Produktionschef Juri Ljowin übte sich am Montag trotz allem in Optimismus. Der Nachrichtenagentur Reuters sagte er, Yugansk plane trotz der Ungewissheit über seine Zukunft weiterhin, seine Produktion im kommenden Jahr auszuweiten. (APA/Reuters)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Die Yukos-Aktie verlor seit Mittwoch rund fünfzig Prozent an Wert.

Share if you care.