Der Sudan und die westliche Krisenregion Darfur

27. Juli 2004, 11:36
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Khartum - Die Islamische Republik Sudan (arabisch: Jumhuriya as-Sudan) ist das flächenmäßig größte Land Afrikas (2,5 Millionen Quadratkilometer) und das zehntgrößte weltweit. Es ist damit fast 30 mal so groß wie Österreich. Es wird von Ägypten im Norden, vom Roten Meer und Äthiopien sowie Eritrea im Osten, von Kenia, Uganda und der Demokratischen Republik Kongo (ehemals Zaire) im Süden und von der Zentralafrikanischen Republik, Tschad und Libyen im Westen begrenzt.

Klimazonen

Die Klimazone reicht von ariden Wüsten des Nordens bis hin zu Bergregionen mit über 3.000 Metern Höhe und Regenwäldern im Süden. Insbesondere der Norden mit 1,8 Millionen Quadratkilometer wird von schweren Dürreperioden mit nur wenigen und kurzen Regenfällen und von Sandstürmen heimgesucht. Die Temperaturen im Hochsommer können dort 50 Grad Celsius überschreiten. Im Süden und Südwesten fallen die meisten Niederschläge zwischen April und November. Nur etwa sieben Prozent des Landes stellt Ackerland dar und bei nur 0.08 Prozent handelt es sich um Dauerkulturen.

Bevölkerung

In der Hauptstadt Khartum leben etwa 5,5 Millionen Einwohner. Über 37 Prozent der Bevölkerung leben in Städten, u.a. in Umm Durman (Omdurman), al-Khartum Bahri, (Port) Bur Sudan (Rotes Meer), Kassala (Osten) und Nyala (Süd Darfur). Die Angaben zur Landesbevölkerung schwanken zwischen 32 und 39 Millionen. Auch wächst die Bevölkerung jährlich um fast drei Prozent. Das Durchschnittsalter liegt bei etwa 18 Jahren. Etwa 70 Prozent der Bevölkerung bekennt sich zur Staatsreligion des Islam, etwa 20 Prozent zu traditionellen Religionen und etwa 10 Prozent zum Christentum (5 Prozent je Katholiken und Protestanten).

Ethnien

Die ethnischen Gruppen umfassen im Norden etwa 40 Prozent arabisch-islamische Bevölkerung und auch nubische Ethnien (ca. 8 Prozent). Verschiedene afrikanische und arabische Völker leben in teilweise angestammten Gebieten über das Land verteilt. Im Osten leben die Rasheida- und Beja, die im 19.Jht. aus Saudi Arabien zuzogen. Im Zentralsudan leben die Nuba. Das Bevölkerungsbild im Süden wird von nilotischen Stämmen wie den Dinka, Nuer und Shilluk geprägt, die rund ein Drittel der Bevölkerung ausmachen.

"Haus der Fur"

Im Westen des Sudan, im Grenzgebiet zu Libyen, dem Tschad und der Zentralafrikanischen Republik liegt Darfur ("Haus der Fur"). Die Region ist Heimat von 1,7 Millionen Menschen und gliedert sich in drei Gebiete: Nord-, West-, und Süd-Darfur. In der Darfur-Region lebt eine in den letzten Jahren zunehmend ethnisch polarisierten Gesellschaft. Die wichtigsten Gruppen in Darfur bilden der Stamm der Fur, welcher der Region ihren Namen gibt, und jener der Masalit. Beide Bevölkerungsgruppen haben sich oft mit arabischen und anderen afrikanischen Bevölkerungsgruppen durch Heirat vermischt. Die afrikanischen Ethnien sind vor allem sesshafte Bauern. Viele andere kleinere afrikanische und auch arabische Gruppen sind nicht unmittelbar am Konflikt in Darfur beteiligt - sind jedoch zunehmend von ihm betroffen.

Sprachen

Arabisch ist die Amtssprache des Landes und wird von 50-70 Prozent der Bevölkerung als Mutter- oder Verkehrssprache gesprochen. Englisch gilt als Handels- und Bildungssprache und wird vorwiegend im Norden und in Khartum eingesetzt. Im Süden nehmen hingegen die mehr als 130 Stammessprachen zu. Die Analphabetenrate zeigt einen wesentlichen bildungspolitischen Missstand auf: ein Drittel aller Männer und über die Hälfte aller Frauen (52 Prozent) des Landes können weder lesen noch schreiben. Derzeit wird von der Regierung in Khartum ein Arabisierungsprozess in der Bevölkerung forciert. Protest kommt vor allem aus den Regionen mit mehrheitlich schwarzafrikanischer Bevölkerung.

Wirtschaftsdaten

Die Wirtschaftsdaten liefern kein einheitliches Bild. Dienstleistungen mit 43 Prozent und Landwirtschaft mit 39 Prozent bilden die wichtigsten Wirtschaftszweige. Vom CIA veröffentlichte Schätzungen sprechen gar von Tätigkeit in der Landwirtschaft von bis zu 80 Prozent, Industrie und Handel (sieben Prozent) und Regierung (13 Prozent). Die reale wirtschaftliche Zuwachsrate lag 2003 bei etwa 6,1 Prozent. Etwa elf Millionen Erwerbstätige erwirtschaften ein Bruttosozialprodukt von etwa 340 US-Dollar pro Einwohner; die Inflation schwankt zwischen geschätzten 18 Prozent (2003) und fast 60 Prozent (1990-2001).

Zu den wichtigsten Exporten des Sudan gehören seit 1999 Erdöl und Petro-Produkte (209.100 barrels/Tag - Schätzung 2001), aber auch Baumwolle/Textilien, Zement, Nahrungsmittel (Öle, Zucker, Sesam und Früchte) sowie Maschinen und Transportausrüstungen. Die wichtigsten Exportpartner sind vor allem China (über 50 Prozent), Japan (13 Prozent), Südafrika und Saudiarabien (beide knapp unter 5 Prozent im Jahr 2002). (APA/Reuters/dpa/red)

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