"Diesmal wird nicht das Höchstgericht den Präsidenten auswählen"

27. Juli 2004, 19:52
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Clinton, Carter und Gore werben für Kerry - Motto: "Stärker in der Heimat, geachtet in der Welt"

Boston - Mit eindringlichen Appellen von zwei demokratischen Ex-Präsidenten, einem Vizepräsident und einer ehemaligen First Lady für die Wahl von John F. Kerry hat der Wahlparteitag der US-Demokraten am Montag in Boston begonnen. Ex-Präsident Bill Clinton, Ex-Präsident Jimmy Carter und Ex-Vizepräsident Al Gore sowie Senatorin Hillary Clinton verurteilten die Politik von Präsident George W. Bush als unilateral, unsozial und gefährlich für die USA. Der Eröffnungstag der Convention im Fleet Center wurde unter starken Sicherheitsvorkehrungen und ohne Zwischenfälle abgewickelt. Rund 3.500 Delegierte aus allen Bundesstaaten und tausende Gäste jubelten den Rednern zu.

"Geachtet in der Welt"

Der Beginn der viertägigen Convention unter dem Motto "Stärker in der Heimat, geachtet in der Welt" stand ganz im Zeichen der Abrechnung mit Bush und einer positiven Präsentation von John F. Kerry. Präsidentschaftskandidat Kerry und sein Vizepräsidentschaftskandidat John Edwards würden Amerika stärker und sicherer machen, durch Kooperation mit internationalen Partnern den Kampf gegen Terror besser führen. Im Inneren würde Präsident Kerry allen Amerikanern durch sozialere Politik mehr Chancen bieten, zeigten sich die Redner überzeugt.

"Diesmal wird nicht das Höchstgericht den Präsidenten auswählen"

Al Gore ging in seiner Rede auf die umstrittene Wahlentscheidung von 2000 ein und kritisierte scharf die Republikaner und das Höchstgericht: "Diesmal werden wir nicht zulassen, dass das Höchstgericht den nächsten Präsidenten auswählt, und dass dieser Präsident das nächste Höchstgericht auswählt". Angesichts der großen Differenzen zwischen Demokraten und Republikanern, etwa in der Umweltpolitik und im Sozialen, appellierte er an die Wähler von Ralph Nader sich ihr Stimmverhalten genau zu überlegen. "Jede Stimme zählt", rief er den Delegierten im Fleet Center zu.

Carter gegen Bush "extremistische" Außenpolitik

Der 79-jährige Jimmy Carter verurteilte Bushs Außenpolitik als "Extremismus" und warf dem Präsidenten vor die Amerikaner nicht geführt, sondern irregeführt zu haben. Im Nahen Osten sei der Friedensprozess zum Stillstand gekommen, die Errungenschaften von Camp David in Gefahr und eine Welle von Antiamerikanismus überschwemme die Region. Gegenüber der nuklearen Bedrohung durch Nordkorea werde von Bush nichts unternommen, obwohl diese im Vergleich mit dem Irak viel gefährlicher sei.

Clinton: "Sendet John Kerry"

Höhepunkt des Abends war der Auftritt von Ex-Präsident Bill Clinton, der mit einer rhetorisch ausgefeilten Rede die Delegierten begeisterte. "Sendet John Kerry", forderte er, denn dieser habe sein ganzes Leben lang keine schwierige Aufgabe gescheut und Führungsqualitäten gezeigt. Durch internationale Kooperation könne Kerry den Terrorismus besser bekämpfen und die USA sicherer und stärker machen. In der interdependenten Welt von heute dürften die USA internationale Verträge zum Klima- und Umweltschutz und zur Abrüstung und Sicherheit nicht missachten. Innenpolitisch habe Bush mit seiner Steuerpolitik dem reichsten Prozent der Amerikaner auf Kosten der Gesundheit und Bildung der Ärmsten unnötige Geschenke macht.

Demokratische Ikonen werben für Kerry

Der geschlossene Auftritt der "Ikonen" der demokratischen Partei am Eröffnungstag der Convention verlief geeint und ohne Misston. Eine Angehörige von Terroropfern erinnerte an die Anschläge vom 11. September 2001. Auch zahlreiche demokratische Politiker aus ethnischen Minderheiten wie den Hispanics oder Schwarzen kamen in Reden und eingespielten Grußadressen zu Wort. Die neun Senatorinnen der Demokraten präsentierten einen gemeinsamen Wahlaufruf für Kerry. Zur Auflockerung wurden Klassiker wie "This Land is my land, this land is your land", Pete Seegers Protestsong "Sag mir wo die Blumen sind" und die amerikanische Hymne gesungen. (APA/AP)

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