Sie tun es immer wieder

14. September 2004, 11:08
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Und er hat 's schon wieder getan! Ein wahrer Geldregen ergießt sich zurzeit über die Mannschaft der "Kronen Zeitung" ...

Und er hat 's schon wieder getan! Ein wahrer Geldregen ergießt sich zurzeit über die Mannschaft der "Kronen Zeitung", das Kleinformat, in dem Leistung noch belohnt wird. Erst vorige Woche war vom "Krone"-Herausgeber-Preis für eine besonders gelungene Leistung des Hausdichters zu berichten - und bereits ein paar Tage später strömte neuer Segen, diesmal gleich auf drei Leistungsträger, herab. Die Leserbriefseiten der "Krone" sind ganz besonders aktuell. So schlagen viele Bezieher diese Seiten auf, weil sie hier eigentlich so etwas wie eine Anzahl kleiner Leitartikel von Lesern, die ihre Zeitung und damit die öffentliche Meinung mitgestalten wollen, finden.

Der Gedanke, die Leser kleine Leitartikel im Sinne des Herausgebers schreiben zu lassen, ist schon an sich genial, darüber hinaus spart er auch Personal, das womöglich auf die Idee kommt, die Vielfalt der Meinungen ihres Herausgebers und der Redakteure in seiner Einfalt um Meinungen bereichern zu wollen, die von der des Herausgebers abweichen. Ist noch nicht vorgekommen, aber vorbeugen ist besser!

Um die Graphik unter Zeitdruck, der auch nicht größer als in jeder anderen Tageszeitung sein kann, sind dabei unsere Mitarbeiter - es handelt sich um drei Herren - bemüht. Dafür erhält heute - es stand im Sonntagsblatt - jeder von ihnen als dankbare Anerkennung den "Krone"-Herausgeberpreis von 1000 Euro. Jeder von ihnen! Der Dank des Hauses Dichand schläft auch am Sonntag nicht. Wermutstropfen in diesem Meer von invertiertem Altersgeiz: Günther Nenning und Helmut Zilk sind schon wieder nicht berücksichtigt. Was soll diese kränkende Zurücksetzung?, fragt man sich da als Leser. Wann schreibt es endlich einer in seinem kleinen Leitartikel?

Neuer Wind weht aber nicht nur in der "Krone", sondern seit Ewald Stadlers innerparteilichem Putschversuch auch in "Zur Zeit". Zu spüren bekommen das deutschsprachige Spitzen-Gazetten wie "Die Presse" und die "Neue Zürcher", suhlen sie sich doch im Sumpf der political correctness. Und da kennt der Sohn des Herausgebers keine Rücksicht. Unter dem Titel Antifa statt Qualität werden Übeltäter demaskiert. Der stellvertretende Chefredakteur des "großen Horizonts" des einzigen sich als bürgerlich verstehenden Qualitätsblatts aus der Alpenrepublik, der "Presse", entwickelt sich zunehmend zu einem der Großmeister der rot-weiß-roten political correctness.

Nicht zu fassen - ausgerechnet er? Na ja, kein Wunder, führte sein journalistischer Lebensweg doch vom Ministranten des Benediktiner Stifts im steirischen St. Lamprecht über die politische Redaktion der eher links-katholisch orientierten steirischen Kleinen Zeitung in den links-linken Wiener Standard. Nach dieser harten ideologischen Indoktrinierung wurde er dann wohl auf Einfluss der Herrn des Styria-Verlags in die "Presse" gehievt, um das liberal-konservative Blatt auf Zeitgeist zu trimmen.

Erschütternd, dass man dort nicht einmal mehr vor der Aufnahme von steirischen Exministranten zurückschreckt! Da ist es dann kein Wunder - schon wieder kein Wunder - wenn dieser Tage einer der plattesten Platituden-Bastler der political correctness, ein Herr namens Doron Rabinovici mit weinerlichen Ausführungen über das harte Los eines Negers in Wien das Feuilleton aufmacht. Und erst recht ist es dann kein Wunder, dass so einer für das harte Los stubenreiner Arier in der FPÖ kein Verständnis hat. Da wird der Volksanwalt Ewald Stadler schlicht als Querulant abgetan, Wiens FPÖ-Chef H.-C. Strache als intellektuelles Leichtgewicht und EU-Abgeordneter Andreas Mölzer als "nationaler Pornodichter" und nur angeblich Intellektueller.

Der nicht einmal angeblich intellektuelle Sprössling des "nationalen Pornodichters" muss freilich einräumen, dass die eine oder andere Passage in einem literarischen Frühwerk des Papas für die verschwitzt-pubertäre Ministrantenfantasie tatsächlich pornographisch anregend wirken mag. Aber was kann man bei einem, der in seiner Ministrantenfantasie weinerliche Ausführungen über das harte Los eines Negers in Wien ins Feuilleton lässt, schon anderes erwarten?

Ein anderes Qualitätsblatt, die "Neue Zürcher Zeitung", war auch nicht brav. Nach Ansicht ihres Wiener Korrespondenten, des in Argentinien geborenen Herrn Ritterband - seine Eltern verließen in den 30er Jahren aus politischen Gründen Österreich (alles klar?) - gebe es einen rechten Aufstand gegen Haider, geführt von Volksanwalt Ewald Stadler, der mit Vorliebe "im bräunlichen Sumpf" wate und von EU-Abgeordneten (sic!) Andreas Mölzer, der "wegen Verbreitung nationalsozialistischen Gedankenguts gerichtlich rechtskräftig verurteilt" worden sei.

Papas rechtskräftige Verurteilung bestreitet der Sohn. (DER STANDARD, Printausgabe, 27.7.2004)

Von Günter Traxler
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