Streit über deutschen Kündigungsschutz

28. Juli 2004, 12:54
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Bank-Chef Ackermann ist für Debatte über Managergehälter und "Moral in der Wirtschaft"

Die Gehälter für Manager und die Arbeitsbedingungen in Deutschland sorgen weiter für hitzige Debatten. Innerhalb der Unionsparteien CDU/CSU gibt es heftigen Streit über das Kündigungsrecht in Deutschland. Neben CDU-Fraktionsvize Friedrich Merz sprachen sich auch die Ministerpräsidenten von Niedersachsen und Hessen, Christian Wulff und Roland Koch, für dessen Abschaffung aus.

In Deutschland sei es zwar zweimal schwieriger als in den USA, arbeitslos zu werden, es sei aber auch 13-mal schwieriger, wieder eine Arbeit zu finden. "Damit richtet sich der Kündigungsschutz gegen die, die geschützt werden sollen", sagte Wulff.

Widerspruch kam dagegen vom saarländischen Ministerpräsidenten Peter Müller, dem Chef der CDU-Sozialausschüsse, Hermann-Josef Arentz, sowie der CSU. Er wolle keine "amerikanischen Verhältnisse" auf dem deutschen Arbeitsmarkt, sagte Müller. Arentz warf Merz vor, "sich in der Sozialpolitik wie die Axt im Walde" zu verhalten. Der Chef der CSU-Parlamentarier, Michael Glos, kritisierte den "Wettbewerb zum Sozialabbau" in der CDU.

Ungewöhnlich scharf fiel auch die Reaktion von SPD-Chef Franz Müntefering aus. Er warf der CDU "Verrat an der sozialen Marktwirtschaft" vor. Dies seien "kapitalistische Ideen von gestern".

Der Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, regte unterdessen eine Diskussion über "Moral in der Wirtschaft" an. Der vergangenen Donnerstag im Mannesmann-Prozess rund um Millionenabfindungen an Manager freigesprochene Ackermann sagte in einem Interview im Schweizer SonntagsBlick, es müsse in einer breiten Diskussion festgelegt werden, wie weit Leistungen honoriert werden sollten. Diejenigen mit gutem Verdienst müssten auch etwas für die Gesellschaft tun.

Die Metallergewerkschaft begrüßte die öffentliche Debatte über Managergehälter. Niemand verlange, dass Manager Hilfsarbeiterlöhne bekämen, so Vizegewerkschaftschef Berthold Huber. Die Explosion von Managergehältern habe aber ihre Triebfeder in einem System, das sich nur noch am Aktienwert orientiere und die Beschäftigung vergesse, so Huber. (DER STANDARD, Printausgabe, 27.7.2004)

Von Alexandra Föderl-Schmid aus Berlin
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