Banker über Mindeststandards verstimmt

27. Juli 2004, 13:32
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Mit neuen Richtlinien fürs Kreditgeschäft macht sich die Finanzmarktaufsicht unbeliebt

Wien - Eine sommerliche Beziehungskrise hat Österreichs Banker und ihre Aufsichtsbehörde, die FMA, erfasst. Die Banker fühlen sich durch die geplanten "Mindeststandards für das Kreditgeschäft", die die Finanzmarktaufsicht (FMA) erarbeitet und zur Begutachtung ausgeschickt hat und die im Herbst veröffentlicht werden, enerviert.

"Unser Spielraum wird von der FMA massiv eingeengt", konstatiert etwa ein Sparkassen-Manager. Am schärfsten fiel die Kritik von Peter Püspök, dem Chef der Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien, aus. Er sieht in einem Beitrag in der Raiffeisenzeitung "potenziellen blanken Horror" auf die Branche zukommen.

Basel II reicht

Nachdem die Banken schon strengere Eigenkapitalvorschriften bei der Kreditvergabe erfüllen müssen (Basel II), fühlen sie sich von den Mindeststandards nun "bürokratisch überfordert und gegängelt", so ein Wiener Banker.

Im Kern legen die Standards fest, dass die Institute so organisiert sein müssen, dass jener Banker, der einen Kredit verkauft, ein anderer ist als jener, der das Risiko daraus kalkuliert und kontrolliert. "Der klassische Bankunternehmer", so Püspök in der Unternehmenspostille, "wird dadurch kastriert und teilentmündigt". Er hoffe, "dass dieses Ungeheuer erledigt wird".

In der FMA versteht man die Aufregung nicht. Laut Vorstand Kurt Pribil belege eine Vielzahl von Untersuchungen, dass mangelnde Aufgabentrennung "oft Hauptursache für Bankenkrisen waren." Wer diese Ergebnisse negiere, "der redet dem berüchtigten Golfplatzkredit das Wort", kontert Pribil, ebenfalls in der Raiffeisenzeitung.

FMA-Vorstand Andreas Grünbichler: "Es steht jedem frei, sich in der Begutachtungsfrist zu äußern, auch ohne den Entwurf gelesen zu haben." Er erklärt, dass die Standards gleichsam eine Vorleistung auf Basel II sind.

Kleine ausgenommen

"Natürlich" nehme die FMA Rücksicht "auf die Struktur der österreichischen Bankenlandschaft". Die Standards sollen nur für "große, systemrelevante Banken" gelten, nicht für Primärbanken wie kleine Raikas. Und: Sanktionen bei Nichterfüllung wird es keine geben. (DER STANDARD, Printausgabe, 27.7.2004)

Von Renate Graber
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