Pflicht statt Kür

27. Juli 2004, 07:00
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Kommentar: Dass EU-Kommissionspräsident Barroso acht Frauen in seinem Team haben will, ist zu wenig. Nun läuft die Diskussion zum Schaden der Genannten

Salopper hätte er es nicht formulieren können: "Schick mir eine Frau", soll der zukünftige EU-Kommissionspräsident José Barroso zu seinem Ansprechpartner in Personalfragen, Bundeskanzler Schüssel, gesagt haben. Für die neue 25-köpfige Kommission will er acht Frauen, das entspricht einem Drittel der Kommission.

Blöd ist nur, dass die Acht-Frauen-Quote nur schwer oder eben gar nicht zu erreichen sein wird. Das lässt sich aus den inoffiziellen Vorschlägen der alten und neuen EU-Länder erkennen, wonach bisher nur fünf Frauen ernsthaft im Gespräch sind. Sollte dies so bleiben, würde der Frauenanteil auf ein Fünftel sinken und damit hinter die Prodi-Kommission fallen.
Und noch schlimmer: Es würde der Eindruck entstehen, dass trotz gutem Willen keine acht Frauen für den Job gefunden werden konnten. Was doppelt ungerecht ist, denn verantwortlich für die Benennung dieser wichtigen Positionen sind nach wie vor Männer.

Pflicht statt Kür

Die peinliche "Frauen"-Suche hätte man sich sparen können, wenn Barroso seine Forderung nicht vollmundig in die Medienmaschinerie geworfen hätte. Es wäre außerdem nicht der fälschliche Eindruck entstanden, so etwas grundlegendes wie die Erhöhung des Frauenanteils sei vom Einfallsreichtum einer einzelnen Person - nämlich dem Kommissionspräsidenten - abhängig. Schließlich hat die Kommission selbst Rahmenstrategien zur Förderung der Gleichstellung von Frauen und Männern festgelegt und trägt genauso die Antidiskriminierungs-Richtlinie mit, die von allen EU-Mitgliedsstaaten in gültiges Recht umgesetzt wurde. Warum sollten diese ausgerechnet vor höchster EU-Ebene Halt machen?

Als Verliererinnen stehen die Frauen bereits jetzt da, denn eine Drittel-Beteiligung kann im Jahr 2004 nicht mehr wirklich als Erfolg gewertet werden. Auch wenn das deklarierte Ziel erreicht werden sollte, müssen Maßnahmen folgen für mehr Politkarrieren von Frauen auf nationaler Ebene, mehr Transparenz bei der Nominierung von EU-KommissarInnen und mehr Bewusstsein für den männerzentrierten Blick manch einflussreicher politischer Institution. (freu)

27.07.2004
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    Gut gemeint, aber gefährlich verkürzt: Barrosos Bekenntnis zu acht Kommissarinnen
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