9000 Bergtouren enden im Spital

26. Juli 2004, 18:01
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Konditions- und Erfahrungsmangel Hauptursachen für Unfälle

Wien – Rutschige Wanderwege, eisige Schneefelder, loses Geröll: Immer wieder wird der ungewohnte Untergrund auf den Bergen Wanderern zum Verhängnis. Drei tote und vier schwer verletzte Bergwanderer waren am Wochenende in den heimischenBergen zu beklagen. Alleine am Wochenende mussten die Rettungshubschrauber ein Dutzend Mal ins Gebirge fliegen, drei Tote und vier schwer Verletzte wurden geborgen.

Vor allem Bergwanderer sind es, die in Schwierigkeiten geraten. Mehr als 2,7 Millionen Menschen genießen jährlich nach Berechnungen des Instituts "Sicher leben" Spaziergänge im alpinen Gelände. Für rund 9100 von ihnen endet der Ausflug jedoch im Krankenhaus, 120 Personen starben im Jahr 2002, aus dem die jüngsten verfügbaren Daten stammen. Die Todesursachen sind dabei geteilt: Etwa 60 Prozent kommen tatsächlich bei Unfällen und Abstürzen ums Leben. Bei 40 Prozent setzt dagegen Herz und Kreis lauf aus, oft infolge von Überanstrengung.

Falscher Ehrgeiz

Die Selbstüberschätzung streicht auch Michael Larcher, Sicherheitsreferent des österreichischen Alpenvereins hervor. Gerade Touristen und Saisonbergwanderer packt oft der falsche Ehrgeiz, sie wählen eine zu schwierige Route, die ihre Kondition überfordert. Die gerne zitierten "Halbschuhtouristen" seien dagegen ein geringeres Problem, berichtet der Experte. Die meisten Menschen haben eine adäquate Ausrüstung für ihreTouren. Woran es mangelt, ist dagegen die Ausbildung. So seien gerade nach dem langen Winter und dem kalten Frühling viele Schneefelder übrig. Die sind tückisch, wie am Samstag ein 31-jähriger Gmundner im Salzburger Lungau erleben musste. Er war beim Abstieg von der Wastelkahrscharte ausgerutscht und schließlich 350 Meter weit in die Tiefe geschlittert. Für Larcher liegt das Problem bei diesen Zwischenfällen in der falschen Reaktion der Betroffenen. Die würden nämlich meist gar nicht reagieren. Tatsächlich sollten sie versuchen, sich in Bauchlage zu bringen und mit einer "Liegestützbewegung" abzubremsen. (DER STANDARD Printausgabe 27.7.2004)

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