"Gelungenes Experiment"

26. Juli 2004, 18:27
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Pressetreff mit Wagner und Schlingensief: "Sie können doch bestätigen, dass ich nicht zensurierend auf Sie eingewirkt habe." - "Jaja"

Bayreuth - Überaus heiter gestaltete sich am Morgen nach der Parsifal-Premiere das obligate Pressegespräch von Festspielleiter Wolfgang Wagner, der im Beisein von Christoph Schlingensief aus einer gewissen Distanz zur Inszenierung weiterhin keinen Hehl machte, aber dennoch von einem "gelungenen Experiment" sprach: "Ich kann Ihnen also auch heuer wieder beweisen, dass ich noch nicht völlig verkalkt bin", feixte Wagner, der nächste Woche seinen 85. Geburtstag feiern wird.

"Freiheit der Kunst - freies Maul"

Dass es unüblich heftige Dispute rund um diesen Parsifal gegeben habe, fällt für den streitlustigen Intendanten unter die Kategorie: "Freiheit der Kunst - freies Maul." Maulkorberlässe seien seine Sache nicht. Und, zu Schlingensief: "Sie können doch bestätigen, dass ich nicht zensurierend auf Sie eingewirkt habe." Schlingensief: "Darüber werde ich nachher noch reden." Wagner: "Sie könnten doch jetzt gleich ,Ja' sagen." Schlingensief: "Jaja."

Ein Ersatz für Lars von Trier, der die Inszenierung des Ring für 2006 wieder zurückgelegt hatte, ist laut Wagner bereits gefunden und kann, nach vollzogener Vertragsunterzeichnung, Ende August, verkündet werden: "Sie werden überrascht sein, was da zustande gekommen ist."

Christoph Schlingensief wiederum kann sich gut vorstellen, weiter Oper zu inszenieren ("erste Anfragen liegen schon vor"), weiterhin mit klarem Kalkül mit Chaos, bewusster Überforderung aller Beteiligter und dem dezidierten Willen zum Gesamtkunstwerk: "Dass wir da jetzt alle brav sitzen und warten, bis dass das Lied kommt, wo wir sagen, jetzt singen wir alle mit: Das kann's doch nicht gewesen sein, oder?" (cp/DER STANDARD, Printausgabe, 27.7.2004)

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