Schmackhafte Wirtschaft

21. Februar 2006, 13:23
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Die Fischhandlung Umar am Naschmarkt war Schauplatz eines betriebswirtschaftlichen und kulinarischen Projektes von Wiener Handelsschülern

In der Handelsschule und Handelsakademie - den Schulen des Berufsförderungsinstitutes bfi - geht es wie in jeder kaufmännischen Schule um Betriebswirtschaftslehre, Rechnungswesen, EDV, Marketing und Kommunikation. Die Frage des guten Geschmacks, das Wissen über hochwertigste Nahrungsmittel und die Fähigkeit, sehr gute Speisen und Getränke von guten zu unterscheiden haben im Lehrplan meistens keinen Platz.

Wilde Jungs sollen kochen

Im Sommersemester 2004 sollte sich das ändern. Jamie Olivers Bildungsauftrag in Sachen Küche ist auch in diese Schule vorgedrungen und hat die Jugendlichen erfasst. Mag. Michael Zink, Lehrer für Betriebswirtschaftslehre, hat sie dabei betreut. Er ist in der kulinarischen Welt kein Unbekannter. Neben seiner Lehr- und Beratungstätigkeit fordern ihn immer wieder kulinarische Fragestellungen heraus – und warum nicht einmal den Gaumen von "wilden Jungs" sensibilisieren? Einige Kollegen, Mag. Kemal Cindi (Interkulturelle Kompetenz und BWL), Mag. Dr. Ulrike Manhat (Deutsch) und Mag. Karl Pleyl (Biologie) waren bei der Verwirklichung des Projektes behilflich.

Multikulturelle Gruppe

Vorweg seien einmal die Schüler der Klasse vorgestellt: Eine kulturell gemischte Gruppe, ein Gaumen, geprägt von der Aromen- und Rezeptvielfalt ihrer Heimatländer – Österreich, Türkei und Serbien – und die Neugierde, endlich einmal über den "kulinarischen Tellerrand" zu blicken. Darüber hinaus interessierte die Klasse, welche Schwierigkeit auf einen zukommen, wenn man ein Unternehmen gründet und nicht aus Österreich stammt, somit die Besonderheiten im Umgang mit den Behörden nicht kennt.

Frische Fische

Die Familie Umar, Fischhändler am Naschmarkt, sind ein perfektes Beispiel für dieses Projekt: Sie sind eine typische Einwanderfamilie aus der Türkei, die nicht nur den Standard der Fischvielfalt und Fischqualität am Nachmarkt neu definiert hat, sondern auch alle Hochs und Tiefs eines typischen Kleinbetriebs durchmachen musste. In den ersten Jahren nach der Gründung 1993 war den Wiener Konsumenten die absolute Frische der Fische nicht so wichtig wie heute. Außerdem war Fisch als Nahrungsmittel alles andere als modern. Mittlerweile liegen Fisch und Meeresfrüchte im Trend und die unerreichte Frische, erreicht durch die Einfuhr per Flugzeug, garantiert weiterhin den Erfolg von Umar am Naschmarkt.

Kochen für die Lehrer

Höhepunkt des Projektes: Die Schüler bekochen ihre Lehrer, und das im Lokal der Umars. Schönstes Wetter, professionelle Begrüßung der Gäste durch die Schüler und zum Aperitif Champagner aus der Magnum-Flasche sorgten für gute Laune. Und dann die Speisen: Als Vorspeise ein Lachstartar mit grünem Spargel, mariniert in feinstem Olivenöl und Spargelsud und elegant auf einem weißen großen Teller serviert. Der Hauptgang puristisch und doch kreativ: Gegrillter Wolfsbarsch auf Kräuterrisotto. Und zum Dessert ein türkischer Grießkuchen an einer erfrischende Topfencreme.

Leistung lohnt sich

Das Feedback war außergewöhnlich, die Schüler motiviert und begeistert über das große Lob aller Beteiligten, und die Gaumen waren entzückt. Mag. Michael Zink: "Neben der Teamarbeit und dem Erreichen selbst auferlegter Ziele unter Zeitdruck beeindruckte mich ab meisten die massive Steigerung des Selbstbewusstseins aller beteiligten Schüler. Nicht nur dass es ihnen viel Freude bereitet hat, etwas zu erreichen, sie waren und sind vor allem stolz darauf beim Publikum so gut angekommen zu sein. Und auch das Erlebnis, dass Leistung sich auszahlt, wirkt länger nach!" Alles in allem ein Schulprojekt, das die beteiligten Schüler und Lehrer gerne wiederholen möchten.(az)

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