USA geben Inhaftierung von Kindern zu

27. Juli 2004, 18:25
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Militärsprecher kündigt Überprüfung von Foltervorwürfen an

Mainz - Die US-Armee hat laut einem deutschen Fernsehbericht die Gefangennahme irakischer Kinder und Jugendlicher zugegeben. Noch 58 Minderjährige zwischen 14 und 17 Jahren seien inhaftiert, sagte ein Sprecher der US-Streitkräfte im Irak dem ARD-Politmagazin "Report Mainz" nach einer am Montag verbreiteten Pressemitteilung. Die durchschnittliche Haftdauer in dem Gefängnis von Abu Ghraib bei Bagdad und im Internierungslager Camp Bucca betrage ein halbes Jahr. Das Militär will nun laut "Report Mainz" prüfen, ob die jungen Häftlinge verprügelt oder inhaftiert wurden. Dies hatte das Magazin Anfang Juli berichtet.

Ungeachtet der angekündigten Untersuchungen bestritt US-Militärsprecher Barry Johnson die Foltervorwürfe zunächst. Die USA nähmen jedoch "jede Anschuldigung ernst". In einem Fall werde bereits ermittelt. Zugleich sagte er: "Falls wir eine Möglichkeit sehen, diese Jugendlichen freizulassen, werden wir das tun." Die USA bezeichnen die Minderjährigen als "Sicherheitshäftlinge", die eine Bedrohung der Besatzungstruppen darstellten.

Untersuchungen nicht ausreichend

Die Generalsekretärin der Deutschland-Sektion der internationalen Menschenrechts- und Gefangenenhilfe-Organisation amnesty international (ai), Barbara Lochbihler, sagte der ARD, Untersuchungen des US-Militärs allein seien nicht ausreichend. Aus Gründen der Glaubwürdigkeit müsse es unabhängige Nachforschungen geben. Die Organisation wisse von einem 16-Jährigen, der in Basra verhaftet wurde und starb. So lange unbekannt sei, warum die Jugendlichen inhaftiert seien, könnten sie nicht als "Sicherheitshäftlinge" gelten.

In einem ersten Bericht am 4. Juli hatte "Report Mainz" berichtet, ein in Abu Ghraib inhaftierter Reporter des arabischen TV-Nachrichtensenders Al Jazeera habe gesehen, wie US-Soldaten ein zwölf Jahre altes Mädchen verprügelten. Ein US-Geheimdienstmitglied schilderte einen weiteren Fall, in dem ein 16-Jähriger von Vernehmungsspezialisten mit Wasser überschüttet und durch die Kälte gefahren worden sei. Danach hätten sie ihr Opfer "mit Schlamm beschmiert". (APA)

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