Immer mehr Ethik-Unterricht

5. September 2004, 19:34
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Tirol hat 26 Schulversuche, Niederösterreich gar keinen - Gehrer: Wer Religion nicht besucht, kann zum Ethik-Unterricht verpflichtet werden

Wien - Die Zahl der Schulen, an denen Ethik-Unterricht angeboten wird, ist in den vergangenen Jahren rasant gestiegen: Gab es dieses Fach 1999/2000 erst an 49 Schulstandorten, wird im kommenden Schuljahr an 119 Standorten in acht Bundesländern "Ethik" unterrichtet.

Die meisten Schulversuch-Standorte mit Ethik-Unterricht - nämlich 26 - gibt es ab dem kommenden Schuljahr in Tirol. In Oberösterreich sind es 23, in Salzburg 20 und in Wien 17. Nur in Niederösterreich wurde bisher kein einziger derartiger Schulversuch eingerichtet. Was bedeutet, dass aus Niederösterreich kein Antrag für die 9. bis 13. Schulstufe eingelangt ist: Sie habe alle Anträge für diese Schulstufe genehmigt, beantwortete Bildungsministerin Elisabeth Gehrer eine parlamentarische Anfrage des Grünen Bildungssprechers Dieter Brosz.

Nicht in der Volksschule

Weiterhin keinen Ethik-Unterricht gibt es jedoch in Unterstufe und Volksschule. An den Zahlen der Abmeldungen liest Gehrer für die Oberstufe den meisten Bedarf für einen Unterrichtsgegenstand ab, "der vornehmlich Inhalte anbietet, die es ermöglichen, Werte zu erkennen, Sinnfragen zu erörtern und das Handeln daran reflektorisch zu orientieren".

Zahlen fehlen

Wie dieses Angebot von den Oberstufen-Schülern und -Schülerinnen angenommen wird, darüber gibt es keine aktuellen Zahlen. Doch generell gilt laut Gehrer ohnehin: Wer vom Religionsunterricht abgemeldet ist, kann gesetzlich zum Ethikunterricht verpflichtet werden: "Das Grundrecht auf Religionsfreiheit bedeutet auch das Recht eines Menschen, keine religiöse Überzeugung zu haben. Dieses Grundrecht umfasst jedoch nicht das Recht auf eine 'Freistunde' an Stelle des Religionsunterrichts." Ein verpflichtender Ethikunterricht für Religions-Abmelder sei daher zulässig. (APA)

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