UNO: Bis zu 50.000 Tote in Darfur

28. Juli 2004, 06:24
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Regenzeit verschlimmert Lage für Darfur-Flüchtlinge im Tschad - UN-Menschenrechts­experten wollen sich vor Ort ein Bild machen

Nairobi/Abeche - Die Vereinten Nationen schätzen die Zahl der bisher in der westsudanesischen Krisenregion Darfur (Darfour) Getöteten nun deutlich höher ein als zuvor. "Bis zu 50.000 Menschen könnten an den Folgen des Konfliktes ums Leben gekommen sein", sagte Ben Parker, Sprecher der Vereinten Nationen im Sudan, am Montag in Nairobi. Zuvor war von etwa 30.000 die Rede gewesen.

In Kürze werde ein achtköpfiges Team von UNO-Menschenrechtsexperten in die Region reisen. "Es ist das erste Mal, dass die sudanesische Regierung offiziell einer solchen dauerhaften Mission zustimmt", sagte Parker.

Einreisevisa für UN-Menschenrechtskommission

Die Vertreter der UNO-Menschenrechtskommission hätten mittlerweile ihre Einreisevisa erhalten. Es sei jedoch unklar, ob sie zusätzlich eine Genehmigung für Darfur bräuchten. Mitarbeiter von Hilfsorganisationen kommen inzwischen ohne dieses Papier nach Darfur.

Journalisten werden mittels verzögerter Reisegenehmigungen jedoch weiterhin aus der Krisenregion ferngehalten, in der rund 1,2 Millionen Menschen auf der Flucht vor den regimetreuen arabischen Janjaweed-Terrormilizen sind.

Massenvergewaltigungen

Laut einem Bericht von Amnesty International gehören auch Massenvergewaltigung, Folter und Entführung von Frauen und jungen Mädchen durch die arabischen Milizen zu den täglichen Schrecken in der sudanesischen Darfur-Provinz.

Regenzeit verschlimmert Lage

Mit dem Beginn der Regenzeit in Ostafrika fürchten Hilfsorganisation eine dramatische Verschlechterung der Lage von zehntausenden Flüchtlingen aus Darfur im Tschad. "Die Regenzeit bereitet uns große Sorgen. Der August ist der schlimmste Monat", sagt Helen Coe, Sprecherin des UNO-Flüchtlingskommissariats in Abeche 700 Kilometer östlich der tschadischen Hauptstadt N'Djamena. Noch bis Ende Oktober sei mit starken Regenfällen zu rechnen.

Rund 180.000 Bewohner der westsudanesischen Krisenregion Darfur haben bisher in Flüchtlingslagern im Osten des Tschad Zuflucht gesucht. Durch die Regenzeit werden die Straßen dort unpassierbar, Hilfslieferungen sind nur noch unter großen Schwierigkeiten möglich.

Komplett abgeschnitten

Die Flüchtlingslager liegen rund 1000 Kilometer von N'Djamena entfernt. Der nächstgelegene Flughafen in Abeche ist nur für leichte Frachtflugzeuge geeignet, die daher keine großen Hilfslieferungen transportieren können, wie der Vertreter des Welternährungsprogramms WFP, Philippe Guyon Le Bouffy, sagt. Der südliche Teil von Ost-Tschad ist durch die Regenzeit komplett von allen Straßen abgeschnitten.

Das WFP hat dort 3000 Tonnen Nahrung deponiert, die für sechs Monate ausreichen sollen. WFP und UNHCR fürchten jedoch einen weiteren Flüchtlingsansturm, falls sich die Situation in Darfur noch weiter zuspitzt. Dann könnten die Lager nicht ausreichen. (APA)

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    Die Situation in West-Darfur ist dramtisch: Kinder sterben vor Hunger, Frauen werden vergewaltigt, ganze Dörfer von den arabischen Milizen ausgerottet.

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    Flüchtlingsfrauen protestieren gegen Vergewaltigungen und Kindesentführungen.

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