Sizilien fordert Notstandsplan für Nordafrika gegen Immigration

27. Juli 2004, 15:41
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Entwicklungshilfe soll Einwanderung stoppen - 525 Flüchtlinge in 48 Stunden auf Lampedusa gelandet

Rom - Während eine neue Flüchtlingswelle die italienische Mittelmeer-Insel Lampedusa unter Druck setzt, fordert Sizilien einen Notstandsplan zu Gunsten der nordafrikanischen Länder, aus denen die Flüchtlingsboote in Richtung Süditalien starten. Nur mit massiverer Entwicklungshilfe könne man die Einwanderungsströme stoppen, die in den vergangenen Wochen Sizilien stark unter Druck setzen, betonte der Präsident des sizilianischen Regionalrats, Salvatore Cuffaro, nach Angaben italienischer Medien am Montag.

"Man kann die Flüchtlinge nicht mit Gewalt stoppen. Wir wollen nicht, dass die sizilianischen Küsten zu einem Friedhof werden", sagte Cuffaro, Parteifreund des italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi. Er forderte umfangreiche Investitionen, um Arbeitsmöglichkeiten und Wohlstand in den nordafrikanischen Ländern zu schaffen.

Vor allem die Insel Lampedusa war das Ziel starker Immigration: 525 Flüchtlinge trafen in den vergangenen 48 Stunden auf die Insel ein. Am Sonntag waren Boote mit insgesamt 229 Immigranten aus Bangladesch, Palästina, Syrien und dem Irak eingetroffen. In der Nacht auf Montag wurden weitere 80 Flüchtlinge aufgegriffen, berichteten lokale Medien. Im Aufnahmelager der Insel, in der maximal 200 Personen untergebracht werden können, ist die Lage kritisch.

Lampedusa bangt vor allem um sein Image als Ferienparadies. Der Bürgermeister der Insel, Bruno Siracusa, forderte erneut von den Regionalbehörden Siziliens Hilfe, um die Notstandssituation zu bewältigen. "Die Flüchtlinge können nicht in Lampedusa bleiben", meinte der Bürgermeister. Das Aufnahmezentrum liege zu nahe am Flughafen.

Der Seeweg nach Lampedusa ist von Tunesien aus nur halb so weit wie von Sizilien. Die Immigranten nützen das schöne Wetter und die hohen Temperaturen, um die Küsten Tunesiens zu verlassen und über Lampedusa in den EU-Raum zu gelangen. "Es könnten noch weitere Tausende in den nächsten Wochen eintreffen", warnten die sizilianischen Behörden. (APA)

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