Erwerbsquote junger Türkinnen sinkt

27. Juli 2004, 12:36
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Wifo-Studie: Kernproblem ist mangelnde Ausbildung - SPÖ fordert Integrationsmaßnahmen

Wien - Jugendliche aus Gastarbeiterfamilien sind häufiger arbeitslos als solche aus österreichischen Familien. Das ist das Ergebnis einer Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts. Das Kernproblem sei die mangelnde Ausbildung. Besonders dramatisch sei die Lage türkischer Mädchen, sie ziehen sich zunehmend aus dem Erwerbsleben zurück, berichtet das Ö1-Morgenjournal am Samstag.

Wifo-Arbeitsmarkerxpertin Gudrun Biffl erläuterte, dass viele Zuwanderer-Kinder, insbesondere aus dem ehemaligen Jugoslawien und der Türkei, ihre Volksschulzeit noch in der Heimat verbringen, erst später nach Österreich geholt werden und dann entsprechende Sprach- und Schulprobleme haben. Der Anteil an SonderschülerInnen sei besonders hoch. Oft bleibe daher nur eine Tätigkeit als HilfsarbeiterInnen. Zwar haben sich in den letzten Jahren Ausbildung und Berufschancen der ausländischen Jugendlichen verbessert, so Biffl. Aber nicht bei türkischen ZuwanderInnen: deren Ausbildungsniveau habe sich im Vergleich zum österreichischen Durchschnitt verschlechtert.

Alarmierende Situation bei jungen türkischen Frauen

Besonders alarmierend sei die Situation junger türkischer Frauen, erläuterte Biffl. Türkische Mädchen hätten in den späten 80er Jahren im Schnitt noch eine bessere Ausbildung gehabt als Ende der 90er Jahre. Die Folge sei ein neues Phänomen am Arbeitsmarkt: die Erwerbsquote dieser jungen Frauen sinkt. Im Jahr 1995 waren 17 Prozent der 15- bis 24-jährigen türkischen Frauen im Haushalt oder in Karenz. Im Jahr 2002 waren es ganze 33 Prozent. Zum Vergleich: im österreichischen Schnitt sind es nur vier Prozent.

Die Ursache für diesen Rückzug in den Haushalt liege wiederum am Arbeitsmarkt. Während ZuwanderInnen aus dem ehemaligen Jugoslawien annähernd gleichmäßig verteilt in den meisten Branchen arbeiten, waren türkische ZuwanderInnen besonders in der Leder-, Textil- und Bekleidungsindustrie konzentriert. Genau jene Branchen, die in den letzten Jahren abgewandert sind.

Eine mögliche Verbesserung für die Betroffenen wäre über bessere Ausbildung zu erreichen. Und zwar weniger über das spätere Nachholen fehlender Abschlüssen, sondern es müsse ein Weg gefunden werden, wie die Kinder von Zuwanderern erfolgreich die Pflichtschule und Lehre oder Berufsbildende Schulen absolvieren können, meinte die Wifo-Expertin.

SPÖ fordert Integration

SPÖ-Bildungssprecher Erwin Niederwieser hat die Wifo-Studie zur Beschäftigungssituation von Jugendlichen aus Gastarbeiterfamilien zum Anlass genommen, um die Forderung der SPÖ nach einer möglichst intensiven Förderung des Spracherwerbs im Vorschulalter zu bekräftigen. "Für diese Förderung braucht es Angebote", betonte Niederwieser in einer Aussendung. "Integration lohnt sich - das muss uns freilich auch etwas wert sein", meinte Niederwiese, der in den erfolgten Kürzungen im Kindergarten- und Schulbereich einen Grund für die mangelnde Ausbildung und damit die höhere Arbeitslosenrate von Jugendlichen aus Gastarbeiterfamilien sieht.

Der SPÖ-Bildungssprecher hält die Vorschulerziehung für eine wichtige Voraussetzung für die Integration im Schulbereich. Was die Schulen betrifft, müsste man sich speziell auch um die Integration der Eltern bemühen. Die Kürzungen von Zusatzangeboten an den Schulen, die es Kindern in schwierigeren Phasen ermöglicht haben, an der Schule zu bleiben, betreffen in erster Linie die Schwächeren, erklärte Niederwieser. (APA)

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