Eine wirklich gute Mischung

29. Juli 2004, 11:45
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Das sei an dieser Stelle einmal gesagt, und zwar deutlich: Es gibt im Sommer kein besseres Getränk als den weißen G’spritzten.

Zahlen werden von den zuständigen Stellen natürlich nicht verraten, aber schon die eigene Beobachtung macht deutlich: Österreich wählt weiß gespritzt. stellt sich natürlich die Frage aller Fragen, nämlich nach dem „warum“, und etwaigen Antworten wollen wir in Folge einmal ordentlich und fundiert auf den Grund gehen. Also, warum ist ein G’spritzter super?

Erstens, weil man den Slogan „Der G’spritzte hat immer Saison“ nur wirklich sehr schwer vergessen kann, ungefähr so schwer wie „Ja zu A“ (stammt auch aus der gleichen Schaffensperiode österreichischer Werbe-Genialität, würde ich sagen), und das Bild von der aus dem Pool auftauchenden Am-dam-des-Tante mit völlig nassem T-Shirt und einem Henkelglas in der Hand noch viel weniger. Ich glaube, dass dieser Spot für heute 30 bis 40jährige einigermaßen prägend war, nicht nur sexuell, sondern auch hinsichtlich der Konsumgewohnheiten.

Zweitens, weil der Murrer weg muss: Auch wenn wir Österreicherinnen und Österreicher uns darin ganz sicher sind, den allerbesten Weißwein auf der ganzen Welt zu haben (und deswegen ja auch sicherheitshalber keinen deutschen oder französischen trinken), so ist uns halt schon auch irgendwie klar, dass nicht alles Kellerberg und Heiligenstein ist, was in Flaschen abgefüllt wird. Im Gegenteil, der Anteil unverkäuflichen Weins, der aufgrund von zurückgebliebener Kellertechnik und noch mehr aufgrund von mangelndem Qualitätsbewusstsein im Weingarten am unteren Rand der Akzeptanz-Schwelle herumgrundelt, ist hoch. Muss aber auch weg, wird deshalb in neutrale, grüne Flaschen gefüllt und bei großer Hitze mit Soda zum G’spritzten vermischt. Und siehe da, Gott sah, dass es gut war.

Drittens, oben erwähnte Hitze. Puren Weißwein gegen den Durst zu trinken, hat sich noch nicht wirklich bewährt. Pures Mineralwasser ist zwar eine feine Sache, beim Aroma und der bewusstseinserweiternden Wirkung aber halt ein echter Versager. Weshalb die leichte Säure des Grünen Veltliners, der subtil verdünnte Alkohol, die zarte Einfärbung des Mischgetränkes und der insgesamt beeindruckend hohe Erfrischungsfaktor dieses Getränkes eins der besten Beispiele für Synergie abgeben.

Viertens, weil die Hardliner auch hier nicht recht haben. Diverse Poster haben bei früherer Gelegenheit festgestellt, dass sie lieber guten Wein und das unverdünnt trinken. Ja eh, gratuliere zu dieser aufrechten und wackeren Einstellung, brav gemacht, sehr gut, setzen. Nur kommt das halt aus Gründen 2) und 3) nicht immer in Frage, vor allem, weil man einem edlen Wein sicher nicht den nötigen Respekt erweist, indem man ihn eisgekühlt in den Rachen stößt, hintendrein dann den Viertel Liter Wasser nachleert. Nein, nein, alles zu seiner Zeit. Und das sei da jetzt einmal postuliert: Ein G’spritzter kann wahrhaftig das richtige Getränk zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein (und je mehr dieser Ort ein Buschenschank am Eisenberg oder Czarterberg im Südburgenland bei 34° Außentemperatur ist, desto richtiger).

Fünftens, weil die Alternative Bier wäre, einem das aber die Augen zudrückt. Woran es liegt, ist mir nicht möglich zu sagen, Beobachtungen bestätigen allerdings immer wieder, dass die Erfrischungsleistung von Bier eher kurzzeitig ist und sobald in große Müdigkeit umschlägt, wohingegen ein Räuscherl, das vom G’spritzten stammt, einfach mehr poetische Lebensgeister weckt. Und das bei nahezu gleichem Alkohol. Die Biergemeinde und diverse Propaganda-Ministerien des heimischen Biermonopols werden da jetzt vielleicht protestieren, aber soll sein.

Und sechstens: Weil das schöne Krügerl-Glas jetzt, wo kein Mensch mehr Vierteln trinkt, sonst in Vergessenheit geraten würde. Herr Ober, noch einen weißen G’spritzten, bitte!

von Florian Holzer
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