Erfundener antisemitischer Überfall: Bewährungsstrafe für Französin

27. Juli 2004, 19:42
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Frau muss sich psychiatrischer Behandlung unterziehen

Paris - Die Lügengeschichte einer jungen Französin von einem antisemitischen Überfall wird mit vier Monaten Haft auf Bewährung geahndet. Dieses Urteil fällte ein Gericht der Pariser Vorstadt Pontoise am Montag. Ferner ordnete das Gericht an, dass sich die Frau in den kommenden zwei Jahren einer psychiatrischen Behandlung unterziehen muss. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Bewährungsstrafe von sechs Monaten sowie 2.000 Euro Geldstrafe gefordert.

Die Geschichte des vermeintlichen Opfers hatte vor zwei Wochen nicht zuletzt wegen der wachsenden Zahl von Übergriffen auf Juden und jüdische Einrichtungen in Frankreich eine Welle der Empörung ausgelöst. Der jungen Mutter drohten wegen Vortäuschung einer Straftat bis zu sechs Monate Haft und 7.500 Euro Geldstrafe.

Mangel an sozialer Anerkennung

Die 23-Jährige, die nach Einschätzung der Polizei aus einem Mangel an sozialer Anerkennung heraus gehandelt haben könnte, hatte sich vor einer Woche in einem Fernsehinterview bei Staatspräsident Jacques Chirac und allen anderen entschuldigt, die sie mit ihrer Lüge getäuscht habe.

Die für ihren Hang zum Fabulieren bekannte Frau hatte der Polizei von sechs Jugendlichen maghrebinischer und schwarzafrikanischer Abstammung berichtet, die sie vor den Augen passiver Mitreisender als "dreckige Jüdin" beschimpft, ihr Haare abgeschnitten, Hakenkreuze auf den Körper geschmiert, sie mit Messern im Gesicht verletzt und den Kinderwagen mit ihrer 13 Monate alten Tochter umgestoßen hätten. Nach vier Tagen gestand sie, sich alles ausgedacht und sich die Verletzungen selbst zugefügt zu haben. (APA/AP/dpa)

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