Managergehälter sorgen in Deutschland weiter für Zündstoff

8. September 2004, 13:26
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Umfrage: Lohnverzicht von Führungskräften erhöht Glaubwürdigkeit - Ackermann will Diskussion um "Moral in der Wirtschaft"

Frankfurt/Main - Die Millionengehälter in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft sorgen angesichts von Lohnverzicht und Mehrarbeit bei den einfachen Beschäftigten weiter für Zündstoff.

Nach einer Umfrage des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" finden 53 Prozent der Befragten, dass Spitzenmanager, die in wirtschaftlichen Krisenzeiten zum Verzicht auf Teile ihres Gehalts bereit sind, glaubwürdiger seien als solche, die an ihren Ansprüchen festhalten. Der Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, regte unterdessen eine Diskussion über Moral in der Wirtschaft an.

Der im Mannesmann-Prozess rund um Millionenabfindungen an Top-Manager am Donnerstag freigesprochene Ackermann sagte in einem Interview im Schweizer "SonntagsBlick", es müsse in einer breiten Diskussion festgelegt werden, wie weit Leistungen honoriert werden sollten. Diejenigen mit gutem Verdienst müssten seiner Meinung nach aber auch etwas für die Gesellschaft tun.

IG Metall begrüßt offene Debatte

Nachdem der Vorstandschef des Autokonzerns DaimlerChrysler, Jürgen Schrempp, angekündigt hatte, der gesamte Vorstand werde in Zukunft auf zehn Prozent seines Gehalts verzichten, hat die IG Metall eine öffentlich Debatte in Deutschland über Managergehälter begrüßt.

Der Vize-Vorsitzende der Gewerkschaft IG-Metall, Berthold Huber, bezeichnete manche Managergehälter in der Zeitung "Welt am Sonntag" als "schlichtweg unanständig". Niemand verlange, dass Manager Hilfsarbeiterlöhne bekämen.

Die Explosion von Managergehältern habe aber ihre Triebfeder in einem System, das sich nur noch am Shareholder Value orientiere und dabei die Beschäftigung vergesse, so Huber. Überdies nannte er den Verzicht des DaimlerChrysler-Managements eine Geste, die von der Öffentlichkeit erzwungen worden sei. Bei drei Millionen Euro im Jahr lasse sich gut auf zehn Prozent verzichten.

Merkel: Manager international konkurrenzfähig bezahlen

Erstmals schaltete sich auch die CDU-Vorsitzende Angela Merkel in die Diskussion um die Managerbezüge ein. Natürlich müssten gute Manager international konkurrenzfähig bezahlt werden, erklärte Merkel in der "Bild am Sonntag" und verwies auf das Beispiel von Fußballern und Schauspielern.

"Aber manche gewaltigen Gehaltssteigerungen sind unangemessen", sagte sie. Die Politik sollte jene Manager stärken, die Vernunft und Augenmaß bewahrten. (APA)

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