Erich Wolfgang Korngold und die "Neue Welt"

30. Juli 2004, 11:22
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Benjamin Schmid mit den Philharmonikern

Salzburg - Ein Emigrant unter bedrohten Komponisten - erklecklich und bedauernswert an der Zahl - spielt nicht nur im Eröffnungskonzert der Festspiele eine wichtige Rolle: Auch beim Debüt des Salzburger Geigers David Frühwirts am kommenden Sonntag (16 Uhr) spielen Werke des "ausgereisten" Erich Wolfgang Korngolds eine solche.

Nun aber zu den Wiener Philharmonikern, die unter der Leitung von Seiji Ozawa unter begeisterter Anteilnahme des Publikums das Eröffnungskonzert spielten. Früher hatte es ja manche Reibereien gegeben, wenn die "Wiener" zunächst für die Oper eingespannt waren und Gastorchester mit vorbereiteten Programmen die ersten Lorbeeren einfuhren. Nun jedoch hatten sie den Vortritt - mit einem amerikanisch angehauchten Programm, in dessen Mitte der Salzburger Geiger Benjamin Schmid mit Korngolds 1947 in Saint Louis uraufgeführten Violinkonzert op. 35 nicht nur sein erfolgreiches Debüt mit den Philharmonikern gab, sondern auch zeigte, wie sehr er sich in wenigen Jahren zu einem forschenden, nicht nur auf Ton, sondern auch den Gegebenheiten entsprechend auf Expression erpichten Interpreten herangewachsen ist.

Nervosität wäre unter diesen Umständen nicht als Folge von Unsicherheit, sondern im Zusammenhang mit suchender Hellsichtigkeit, mit Offenheit für das momentan Gegebene und für das jeweils noch zu Erspürende gleichzusetzen. Dieser jungverheiratete Mann hat hinzugelernt, und wir begrüßen ihn als Könner in der Liga der führenden Geiger seiner Generation. Ein Wiener ORF-Mitschnitt mit eben jenem Korngold-Konzert unter der Leitung von Ralf Weikert mit den NÖ Tonkünstlern vom Februar 1999 beweist es fast Takt für Takt!

Werke von Ives (die Studie Central Park in the Dark) und Dvoraks Sinfonie Aus der Neuen Welt bildeten die Klammer um Korngolds wirklich korngüldenes Violinkonzert - mit allen Mitteln und Ressourcen eines Orchesters, das Ozawa nicht nur zu folgen, sondern zu erfühlen schien. Die "Neue Welt" hatte ihren sicheren Platz in der "Alten". (Peter Cossé/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26. 7. 2004)

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