Iran: Ebadi nimmt Freispruch um Tod kanadischer Journalistin nicht hin

27. Juli 2004, 08:51
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Nobelpreisträgerin vertritt die Klägerin - Will nun internationale Organisationen einschalten

Teheran - Ein Jahr nach dem gewaltsamen Tod einer kanadischen Journalistin im Iran hat ein Gericht in Teheran am Samstag den einzigen Angeklagten freigesprochen. Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi, die die Mutter der getöteten Zahra Kazemi vertritt, kritisierte, das Verfahren sei von Anfang an mit Fehlern behaftet gewesen.

Sie werde weiterhin daran arbeiten, dass ihrer Mandantin Gerechtigkeit widerfahre und gegebenenfalls internationale Organisationen einschalten. Kazemi kam im Polizeigewahrsam ums Leben.

Auch auf internationaler Ebene

Alle Möglichkeiten auch auf internationaler Ebene würden ausgeschöpft, kündigte Ebadi an. Hätte das Gericht die von ihr benannten Zeugen vorgeladen, "hätte es die Leute, die den Mord begangen haben, genau ermitteln können", sagte die Anwältin.

Der Angeklagte Mohammed Reza Aghdam Ahmadi hatte sich gleich zu Beginn der Verhandlung für nicht schuldig erklärt. Auch die Anwälte der Mutter wiesen die Darstellung der Anklage zurück, der Geheimdienstbeamte sei für den Tod der Fotojournalistin verantwortlich, und erklärten, die wahren Schuldigen befänden sich auf freiem Fuß. Der Justizbeamte Mohammed Bahji habe Kazemi die tödliche Kopfwunde zugefügt, sagte Ebadi. Der stellvertretende Generalstaatsanwalt Jafar Reschadati erklärte dagegen, es gebe keine hinreichenden Beweise gegen Bachschi.

Verfahren abgebrochen

Der Prozess wurde am Samstag vergangener Woche eröffnet, einen Tag später brach das Gericht das Verfahren ab. Der Iran hatte zu der Verhandlung keine Beobachter aus Kanada zugelassen, an der Sitzung am vergangenen Sonntag durfte auch der kanadische Botschafter nicht teilnehmen.

Bei Aufnahmen verhaftet

Kazemi, eine Kanadierin iranischer Abstammung, war im Juni vergangenen Jahres bei Aufnahmen von Protesten vor einem Teheraner Gefängnis verhaftet worden. Eine von Präsident Mohammed Khatami eingesetzte Untersuchungskommission kam zu dem Ergebnis, dass die Frau nach einem schweren Schlag auf den Kopf einen Schädelbruch sowie eine Gehirnblutung erlitten hatte. Zunächst hatten die iranischen Behörden versucht, den gewaltsamen Tod Kazemis zu vertuschen. Der Vorfall belastet die Beziehungen zwischen dem Iran und Kanada. (APA)

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    Ezzat (rechts), die Mutter der getöteten Journalistin Zahra Kazemi, mit ihrer Anwältin Shirin Ebadi.

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