Knesset untersucht israelische Bank wegen Konten von Holocaust-Opfern

26. Juli 2004, 18:34
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Bank Leumi bestreitet Vorwürfe

London - Eine Kommission des israelischen Parlaments prüft die Londoner Niederlassung der zweitgrößten Bank des Landes über den Verbleib von Millionen Pfund von Holocaust-Opfern. Er habe 180 Konten identifiziert und rechne mit weiteren 100, die nicht an die Nachkommen ausgezahlt worden seien, erklärte Untersuchungsleiter Yehudah Barlev nach einem Bericht des "Sunday Telegraph". Die Bank Leumi wies alle Vorwürfe als "schändlich" zurück.

Der Vorläufer der Bank Leumi, die Anglo-Palestine Bank, wurde 1902 gegründet und verwaltete tausende Konten von Investoren in ganz Europa, als in den 1930er-Jahren der Nationalsozialismus expandierte. In der Folge wurden Konten von Inhabern aus Deutschland, Österreich, der Tschechoslowakei, Polen und Italien eingefroren. Die britische Regierung verlangte von der Bank die Übergabe dieser Konten und die Einsetzung eines Vermögensverwalters.

"Feindkonten"

Dies sei aber nicht immer geschehen, sondern die Bank habe "Feindkonten" heimlich aus den Ländern nach London transferiert, behauptet die Untersuchungskommission. Die rechtlichen Nachkommen der Nazi-Opfer kamen niemals an das Geld ihrer ermordeten Vorfahren. "Die Bank kannte die Konten, aber überwies die Gelder nicht an die Nachfahren", erklärt Barlev.

Vertreter von Bank Leumi bestätigten die Untersuchung, betonten aber zugleich, dass die Bank freiwillig mit der Kommission zusammengearbeitet habe und dass man keine "schlafenden Konten" habe. Die Vorwürfe seien "beleidigend und unwahr" und besonders "schmerzlich", als zahlreiche Mitarbeiter der Bank selbst Nachkommen von Holocaust-Opfern seien. "Wir erwarten einen völligen Freispruch durch die Knesset", sagte Bank Leumi-Vizepräsident Yona Fogel. (APA)

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