Rückblick: "Drei Wochen lang am Limit"

26. Juli 2005, 17:16
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Gerolsteiner-Kapitän Georg Totschnig feiert seinen siebten Gesamtrang - "Die besten Fünf waren in Reichweite"

Paris - Dolfi Christian hatte 1957 den dritten, Peter Luttenberger 1996 den fünften Gesamtrang in der Tour de France verbucht. Nun reihte sich Georg Totschnig mit Rang sieben ein. Im Vorjahr war der Zillertaler nach einem fünften Gesamtplatz im Giro d'Italia an zwölfter Stelle der Tour gelandet, diesmal ließ er den Giro aus und brachte mehr Substanz mit. "Ich bin", sagte Totschnig, "super zufrieden, aber auch sehr müde. Ich war drei Wochen lang fast jeden Tag am Limit."

Den dritten Tagesrang hinter Armstrong und Basso auf dem Plateau de Beille nennt der 33-Jährige "meinen größten Erfolg". 26 Sekunden fehlten Totschnig auf den sechsten Rang, er meint, sogar die besten Fünf wären in Reichweite gewesen. Im Teamzeitfahren hatte man unnötigerweise auf einen Kollegen mit Defekt gewartet. "Und der Ruhetag hat mich wieder einmal aus dem Rhythmus gebracht", sagt Totschnig, "so hatte ich in der ersten Alpenetappe nicht die besten Beine. Das hat zwei Minuten gekostet."

In den Bergen war der Kapitän des deutschen Gerolsteiner-Teams nach Verletzungen von Beat Zberg und Sven Montgomery weit gehend auf sich allein gestellt, er musste sich selbst zum Teamauto zurückfallen lassen, um sich eine neue Trinkflasche zu holen, und dann wieder nach vorne radeln. "Das ist nicht optimal für die Moral", anderen Spitzenfahrern stehen "Wasserträger" zur Seite.

In seiner sechsten Tour de France hat Totschnig mit einem dritten, einem siebenten und einem zehnten Tagesrang sowie mit zwei elften Plätzen auf sich aufmerksam gemacht. T-Mobile zeigt sich an einer Rückkehr des Tirolers, der jahrelang für Jan Ullrich arbeitete, interessiert. Bei Gerolsteiner, wo sein Vertrag ausläuft, will man ihn unbedingt halten. Totschnig kann sich gut vorstellen, zu bleiben, eine Bedingung könnte sein, dass ihn 2005 ein stärkeres Team in der Tour unterstützt.

Zunächst stehen einige Kriterien an, schon am Dienstag macht die Grazer Altstadt den Anfang, am 7. August folgt das Weltcuprennen in San Sebastian, am 15. August steigt in Athen das olympische Straßenrennen. Georg Totschnig will nun "die Form konservieren". (DER STANDARD, Printausgabe, Montag 26. Juli 2004, APA, fri)

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    Georg Totschnig kann zufrieden auf die Tour zurückblicken.

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