Großbritannien: Geheimdienst-Mitarbeiter nach Kritik an Blair entlassen

26. Juli 2004, 19:10
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Hatte im TV über Auftritt des Premiers vor dem Irak-Krieg gewitzelt

London - Weil er sich öffentlich über den britischen Premierminister Tony Blair lustig gemacht hat, musste ein hoher Geheimdienstmitarbeiter nach Angaben der "Sunday Times" seinen Hut nehmen. Wie das Blatt unter Berufung auf einen Regierungsvertreter berichtet, verlor John Morrison sein Amt als Hauptsachverständiger des parlamentarischen Geheimdienstausschusses, nachdem er im britischen Fernsehen über Blairs Auftritt vor dem Irak-Krieg gewitzelt hatte.

In der BBC-Sendung "Panorama" hatte Morrison vor zwei Wochen beschrieben, wie britische Geheimdienstvertreter fassungslos auf Blairs Behauptung reagierten, der inzwischen gestürzte irakische Präsident Saddam Hussein stelle eine ernste und unmittelbare Bedrohung für Großbritannien dar. "Als ich ihn das sagen hörte, konnte ich buchstäblich hören, wie überall in Whitehall (dem Regierungssitz) verächtliches Prusten losging", sagte er in der Sendung.

Morrison, der früher Leiter des britischen Militärnachrichtendienstes DIS war, sagte zudem, Blair sei bei der Präsentation des Dossiers über die angeblichen irakischen Massenvernichtungswaffen im September 2002 "weit über das hinausgegangen, was ein professioneller Analytiker gutgeheißen hätte".

Der vor rund zehn Tagen veröffentlichte Bericht der Untersuchungskommission von Lord Robin Butler hatte dem britischen Geheimdienst schwere Fehler bei der Analyse des irakischen Waffenarsenals vor Kriegsbeginn nachgewiesen. Blair aber wurde von dem Vorwurf der absichtlichen Täuschung entlastet. (APA)

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