Australien will trotz Drohungen Truppen im Irak lassen

26. Juli 2004, 15:07
19 Postings

"Regierung wird sich dem Druck der Extremisten nicht beugen"

Melbourne - Australien will sich einer im Internet veröffentlichten Forderung einer Extremistengruppe nicht beugen, seine Truppen aus dem Irak abzuziehen. Außenminister Alexander Downer sagte am Sonntag im Fernsehen, die Regierung nehme die Attentatsdrohungen der Gruppe ernst, doch werde sie sich dem Druck der Extremisten nicht beugen.

Eine Sprecherin des US-Präsidialamtes hatte zuvor gesagt, Terroristen hätten es auf jene abgesehen, die dem irakischen Volk helfen wollten. "Man kann mit Terroristen keinen Separatfrieden schließen", fügte sie hinzu. Australien hat im Irak und der Golf-Region 850 Soldaten stationiert.

"Kolonnen präparierter Autos"

Eine Gruppe, die sich selbst als europäischer Flügel der El-Kaida-Organisation bezeichnet, hatte am Samstag Australien und Italien mit Anschlägen gedroht, sollten beide Länder ihre Truppen aus dem Irak nicht abziehen.

Auf einer Internetseite drohte die Gruppe, sie werde Australien und Italien "mit Kolonnen präparierter Autos" angreifen, wenn diese Länder ihre Forderungen nicht erfüllten. Unterzeichnet war die Erklärung mit "Islamische Tawhid Gruppe, El-Kaida-Organisation Europa". Erst am Mittwoch hatte diese bis dahin unbekannte Gruppe Bulgarien und Polen ebenfalls mit Anschlägen gedroht, falls beide Länder nicht ihre Truppen aus dem Irak abzögen.

Die Extremisten forderten Australien und Italien auf, mit einem Truppenabzug anderen Ländern wie etwa Spanien zu folgen, die aus der von den USA geführten Irak-Allianz ausgetreten sind. Nach der Entführung eines philippinischen Lastwagenfahrers hatte die Regierung in Manila Mitte des Monats die Forderung der Geiselnehmer erfüllt und ihre rund 50 Soldaten aus dem Irak abgezogen.

Unter dem Eindruck der schweren Bombenanschläge vom 11. März in Madrid hatten die Spanier eine neue Regierung gewählt, die nach ihrem Amtsantritt die Soldaten des Landes aus dem Irak abzog.

In den vergangenen Wochen sind mehrfach Drohungen gegen Länder im Internet aufgetaucht, die Truppen im Irak stationiert haben. Von einigen distanzierten sich allerdings später moslemische Extremistengruppen, die ihren Namen missbraucht sahen. Die Echtheit der Erklärungen war unklar. (APA/Reuters)

Share if you care.