Bashir: Internationaler Druck sei Angriff auf Islam

26. Juli 2004, 14:30
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Präsident kritisiert "internationale Kampagne" - Angeblich 90.000 Menschen bereits in Dörfer zurückgekehrt

Khartum - Der sudanesische Präsident Omar al Bashir hat den internationalen Druck auf sein Land wegen der Flüchtlingskrise im Westen des Landes als Angriff auf den Islam dargestellt. Das wahre Ziel der "internationalen Kampagne" gegen seine Regierung sei nicht die Verbesserung der Lage in der Region Darfur, sondern die Verhinderung der Ausbreitung des Islam in seinem Land, zitierte die regierungsnahe Tageszeitung "El Anbaa" am Samstag aus einer Ansprache Bashirs.

Seine Regierung werde sich weiterhin an die islamische Rechtsprechung halten, ein Beispiel für sozialen Zusammenhalt geben und "die Menschen aus der Dunkelheit zum Licht des Islam bringen", sagte Bashir demnach nach dem Freitagsgebet in der zentralen Region El Gesira.

90.000 Menschen angeblich in Dörfer zurückgekehrt

Zudem stellte die sudanesische Regierung am Sonntag einen Bericht über die Lage in der Region Darfur vor. Nach dem vom Informationsministerium in Khartum erstellten Bericht seien 5000 Polizisten in die Krisenregion entsandt worden, berichtete die sudanesische Nachrichtenagentur SUNA. Bis zur vergangenen Woche seien insgesamt 90.000 Menschen in ihre Dörfer in der Krisenregion zurückgekehrt. Die Regierung habe zudem Vorkehrungen getroffen, um die Lieferung von 46.000 Tonnen Lebensmittelhilfen und Medikamenten im Wert von 10 Millionen Dollar zur erleichtern.

Sanktionsdrohung

Die USA hatte am Freitag im UN-Sicherheitsrat einen überarbeiteten Resolutionsentwurf zum Sudan vorgelegt. Darin werden der Regierung in Khartum Sanktionen angedroht, sollte sie nicht binnen eines Monats Janjaweed-Milizionäre vor Gericht gebracht haben. Der Sudan hatte Anfang Juli auf internationalen Druck hin zugesagt, die regierungstreuen Milizen zu entwaffen und die Verantwortlichen für die Verbrechen gegen die Zivilbevölkerung in Darfur vor Gericht zu stellen.

Der Konflikt in Darfur hatte im Februar 2003 begonnen, als sich örtliche Rebellengruppen gegen die arabisch dominierte Regierung erhoben. Etwa 1,2 Millionen Menschen wurden seitdem aus ihren Dörfern vertrieben; etwa 200.000 von ihnen flohen ins Nachbarland Tschad. Nach neuen UN-Angaben könnten bereits 30.000 bis 50.000 Menschen ums Leben gekommen sein. (APA)

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    Omar al Bashir, Präsident

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