Westerwelle fordert mehr Toleranz gegenüber Homosexuellen

25. Juli 2004, 14:58
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FDP-Chef will Streit mit CSU-Hardlinern nicht aus dem Weg gehen - Auch Anspruch auf Adoptionsrecht

Hamburg - FDP-Chef Guido Westerwelle, der sich als homosexuell geoutet hat, fordert in einem Gespräch mit dem Hamburger Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" mehr Toleranz gegenüber Homosexuellen. Mögliche negative politische Konsequenzen seines Outings nehme er bewusst in Kauf, sagte der deutsche Oppositionspolitiker; "ich kann nichts daran ändern, ob mein Leben den Leuten gefällt oder nicht gefällt."

Westerwelle, der anlässlich des Geburtstagsempfangs von CDU-Chefin Angela Merkel in Berlin erstmals offiziell mit seinem sechs Jahre jüngeren Lebensgefährten Michael Mronz in Erscheinung trat, plädiert für die volle Gleichberechtigung gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaften. "Derzeit ist die Lage noch so, dass solche Lebensgemeinschaften eine Menge Pflichten haben, zum Beispiel Beistandspflichten gegenüber dem Sozialstaat, aber die angemessenen Rechte werden ihnen verweigert. Das kann nicht richtig sein", sagte Westerwelle laut einer "Spiegel"-Vorausmeldung vom Samstag. Er fordert, das Adoptionsrecht auf alle festen gleichgeschlechtlichen Paare auszuweiten.

Einem politischen Streit mit den Hardlinern in der CSU will Westerwelle nicht aus dem Weg gehen. Die Ankündigungen der CSU-Spitze, die rot-grünen Reformgesetze im Bereich gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaften im Fall eines Regierungswechsel zurückzunehmen, lehnt Westerwelle kategorisch ab: "Ich habe schon vor der letzten Bundestagswahl den Kanzlerkandidaten (CSU-Chef Edmund) Stoiber nicht darüber im Unklaren gelassen, dass das, was in der vergangenen Legislaturperiode an politischen und rechtlichen Fortentwicklungen gegen die Diskriminierung gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaften stattgefunden hat, nicht zurückgedreht werden kann. (APA)

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    Guido Westerwelle nach seinem Outing: "Ich kann nichts daran ändern, ob mein Leben den Leuten gefällt oder nicht gefällt."

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