Ägyptischer Diplomat entführt

25. Juli 2004, 19:12
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Kairo will keine Truppen in den Irak entsenden - Allawi mahnt zur Härte gegenüber irakischen Geiselnehmern

Kairo/Washington - Nach der Geiselnahme eines ägyptischen Diplomaten hat die ägyptische Regierung eine Truppenentsendung in den Irak ausgeschlossen. Die Entsendung ägyptischer Soldaten in den Irak komme "in keiner Weise in Frage", betonte der ägyptische Außenminister Ahmed Abul Gheit am Freitagabend in einer Erklärung in Kairo. Der entführte Diplomat habe "für den Aufbau von brüderlichen Beziehungen zwischen dem irakischen und ägyptischen Volk gearbeitet".

Der neue UNO-Gesandte für den Irak, Ashraf Jehangir Qazi, drückte unterdessen seine Besorgnis über die Sicherheitslage im Irak aus. "Das ist unsere Hauptsorge - die Sicherheitslage", sagte Qazi in Washington vor Journalisten nach einem Treffen mit US-Außenminister Colin Powell.

Kairo ohne Kontakt zu irakischen Geiselnehmern

Die ägyptische Botschaft in Bagdad hat nach eigenen Angaben keinen Kontakt zu den Geiselnehmern eines ihrer Diplomaten. "Wir haben keinen Kontakt zu den Entführern aufgenommen", sagte der Erste Botschaftssekretär Badreddin el Dessuki am Samstag in der irakischen Hauptstadt. Er könne derzeit keine weiteren Informationen zu dem Fall geben. Der zweite Zugeteilte der Botschaft, Mohammed Mamduh Hilmi Kotb, wurde als erster ausländischer Diplomat im Irak verschleppt.

Am Freitagabend strahlte der TV-Nachrichtensender Al Jazeera (Katar) ein Video aus, auf dem der Ägypter sitzend vor einer Gruppe schwarz gekleideter und maskierter Männer zu sehen ist. Die Gruppe bezeichnete sich selbst als "Löwen Allahs".

Allawi: Ägypten soll Geiselnehmern nicht nachgeben

Der irakische Premierminister Iyad Allawi hat Ägypten aufgefordert, den Forderungen der Entführer nicht nachzugeben. "Die einzige Art, mit Terroristen umzugehen, ist, sie vor Gericht zu bringen und zusammenzuhalten. Und wir hoffen, dass Ägypten und die ägyptische Regierung entsprechend handeln werden", sagte Allawi am Samstag auf einer Pressekonferenz in der syrischen Hauptstadt Damaskus. In Bagdad wurde der zweite Zugeteilte der ägyptischen Botschaft verschleppt. Die Entführung sei eine Antwort auf das Angebot der ägyptischen Regierung, ihre Erfahrungen im Sicherheitsbereich der irakischen Übergangsregierung zur Verfügung zu stellen, erklärten die Geiselnehmer laut Al Jazeera.

Entscheidung der Philippinen "bedauerlich"

Eine philippinische Geisel war zuletzt freigelassen worden, nachdem die Regierung in Manila den Forderungen der Entführer nachgegeben und ihre Truppen früher als geplant aus dem Irak abgezogen hatte. Diese Entscheidung nannte Allawi "bedauerlich". Vor wenigen Tagen war Allawi in Kairo gewesen, um Gespräche über einen möglichen Einsatz ägyptischer Truppen bei der Ausbildung der irakischen Streitkräfte zu führen. Ägyptische Vertreter hatten allerdings rasch betont, es sei dazu keine Vereinbarung getroffen worden. (APA/AFP)

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    Die "Löwen Allahs" haben den ägyptischen Diplomaten Mohammed Mamduh Hilmi Kotb im Irak entführt.

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