Hohe Kultur trifft auf teures Pflaster

8. September 2004, 14:52
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Über die Stadt kommen nun Scharen von Touristen und Festspielgästen, zahlreiche Prominenz, schwere Luxuslimousinen, einige Gespanne und jede Menge Umsatz

Über die Stadt kommen bis zum 31. August Scharen von Touristen und Festspielgästen, zahlreiche Prominenz, schwere Luxuslimousinen, einige Gespanne und jede Menge Umsatz.

Salzburg - Neben dem kulturellen Weltruf ihrer Stadt kommen Salzburgs Einheimischen zum Thema Festspiele zwei Dinge in den Sinn: verstopfte Geh- und Radwege sowie steigende Preise.

Ersteres ist ein Faktum, dem auch heuer weder individuell (Fahrradglocke) noch generell (Verkehrsplanung) beizukommen sein wird. Zweiteres ist nicht mehr als ein hartnäckiges Gerücht: "Das Preisniveau ist in Salzburg höher als in Linz oder Graz, die Preissteigerung aber nicht", sagt Bernd Gaubinger von der Salzburger Wirtschaftskammer.

Und Preiserhöhungen stünden Lohnkostensteigerungen gegenüber. Im traditionsreichen Café Tomaselli am Alten Markt etwa kostet ein Espresso 2,40 Euro und ein kleiner gespritzter Apfelsaft 2,10 Euro - nicht nur im Sommer, sondern das ganze Jahr. Das entspricht etwa einem Hundertstel dessen, was auswärtige Festspielgäste im Schnitt täglich ausgeben, nämlich 222 Euro. - Ohne Festspielkarten, diese kosten jeden Besucher 580 Euro pro Aufenthalt.

Daraus errechnete die Wirtschaftskammer einen gesamtwirtschaftlichen Nutzen von insgesamt 180 Millionen Euro (DER STANDARD berichtete).

Sehen lassen kann sich alljährlich auch die Prominentenliste. Neben Bundespräsident Heinz Fischer, Bundeskanzler Wolfgang Schüssel und Ministern weiß man im Büro der Festspiele von einem Zusammentreffen von Fischer mit seinem Schweizer Amtskollegen Joseph Deiss am Sonntag und von dem Treffen der Ministerpräsidenten aus osteuropäischen Ländern auf Einladung Schüssels Ende August.

Sein Kommen hat auch Kaliforniens Gouverneur Arnold Schwarzenegger angekündigt, ein Termin sei aber "noch nicht bestätigt". Gunther Sachs, Entertainer Thomas Gottschalk, Caroline von Monaco mit Ernst August und "natürlich all unsere Künstler von Veronica Ferres bis Peter Simonischek" sollen nach Auskunft der Festspiele für die nötige Strahlkraft sorgen.

Vorgefahren wird die Prominenz mit den gestreckten 450-PS-Limousinen von Audi, einem der vier Hauptsponsoren der Festspiele. Auch in den nächsten drei Jahren wird es Sponsoring von Nestlé, Uniqa, Siemens und eben Audi geben.

Vor der Alten Residenz mosern die Kutscher der Zwei-PS-Gespanne: "Früher Grafen mit ihrem ganzen Rattenschwanz in der Stadt, die haben sich kutschieren lassen, die neue Generation nicht mehr", meint Kutscher Erwin.

Das Hauptgeschäft heute seien Familien mit Kindern. 33 Euro kostet die 20- bis 25-minütige Fahrt durch die Altstadt, vorbei an den Aufbauten vor dem Salzburger Dom. Auch dort dreht sich ab Samstag alles um den schnöden Mammon. Den künstlerischen Auftakt der Festspiele bildet stets der "Jedermann". (stet/DER STANDARD, Printausgabe, 24./25.7.2004)

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    Von der Briefmarke nach Salzburg: Der mit einer eigenen Marke geehrte kalifornische Gouverneur wird in der Festspielstadt erwartet.

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