Verbrannter Berlusconi

23. Juli 2004, 18:06
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Seine Koalition, das so genannte Haus der Freiheiten, ist ein Abrissfall - Von Christoph Prantner

Man kann es ihm ansehen: Der normalerweise notorisch gut gelaunte Silvio Berlusconi lacht dieser Tage auffällig wenig. Worüber auch? Italiens Ministerpräsident steckt in einer politischen Krise, die sich selbst mit einem seiner exzentrischen Scherze nicht vertreiben lässt. Berlusconi, schreibt die Repubblica, hat sich drei Jahre nach seinem Amtsantritt "in Politik und Wirtschaft die Finger verbrannt".

Seine Koalition, das so genannte Haus der Freiheiten, ist ein Abrissfall. Das zeigen die jüngsten Ministerrücktritte und das nur mit der Vertrauensfrage durchgebrachte Sparpaket. Die Differenzen, die von den disparaten Partnern offen und ohne Rücksicht auf Verluste ausgetragen werden, sind unüberbrückbar: Die Lega Nord will noch nächste Woche über eine Föderalismusreform abstimmen, die Christdemokraten winken mit Blick auf ihre Klientel im Süden ab. Niemand weiß, wie die im nationalen Wirtschaftsplan budgetierten Sparziele mit einer Steuersenkung realisierbar sind. Die seit drei Jahren gewälzten großen Brocken Pensions- und Gesundheitsreform? Schweigen.

Dazu hat es der Unternehmerpremier geschafft, alle Gesellschaftsgruppen gegen sich aufzubringen, die ihn zunächst ungeachtet der demokratiepolitischen Konsequenzen seines Engagements im Palazzo Chigi unterstützt hatten. Ginge es nach Industriellen, Kaufleuten und Gewerbetreibenden, Berlusconi wäre politisch wohl eher gestern als heute weg vom Fenster.

Der nach italienischer Sitte weit gehend arbeitsfreie August bringt ihm nun noch einmal eine Verschnaufpause. Im Herbst allerdings wird es definitiv ernst. Dann kommt Romano Prodi aus Brüssel zurück. Der vergleichsweise hoch seriöse Wirtschaftsprofessor hat Burn-out-Berlusconi und seine PR-Maschinerie schon einmal im Wahlkampf geschlagen. (DER STANDARD, Printausgabe, 24./25.7.2004)

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