Frankreich: Mifegyne außerhalb von Krankenhäusern zugelassen

28. Juli 2004, 11:02
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Zukünftig dürfen auch AllgemeinärztInnen die Abtreibungspille einsetzen

Paris - Die "Abtreibungspille" Mifegyne (RU486) darf in Frankreich künftig auch außerhalb von Krankenhäusern verabreicht werden. Wie der französische Gesundheitsminister Philippe Douste-Blazy erklärte, hat er am Freitagmorgen ein Dekret unterzeichnet, das auch AllgemeinärztInnen außerhalb von Hospitälern und Kliniken den Einsatz von Mifegyne gestattet.

Die Verordnung werde in wenigen Tagen im französischen Amtsblatt "Journal officiel" erscheinen und damit rechtswirksam, kündigte Douste-Blazy an. Die medikamentöse Abtreibung mit Mifegyne ist in Frankreich bis zum Ende der fünften Schwangerschaftswoche legal, aber bisher nur in Krankenhäusern möglich. "Le Monde" berichtete, bis zu 50.000 Frauen könnten jährlich betroffen sein. Die Kosten der Schwangerschaftsunterbrechung mit Medikamenten von knapp 200 Euro werden zu 70 Prozent von der staatlichen Krankenversicherung übernommen.

Monatelange Diskussion

Die lange umstrittene Abtreibungspille Mifegyne wurde Anfang September 1999 auch in Österreich zugelassen, aber auf Kliniken beschränkt. Mifegyne sorgte in Österreich wie auch etwa in Deutschland und der Schweiz für eine monatelange Diskussion, in der die seit den siebziger Jahren festgelegte Fristenregelung in Frage gestellt wurde.

Für die Kirche war und ist das Medikament eine "Tötungspille". Zahlreiche Gruppierungen demonstrierten gegen die Pille und hielten Mahnwachen für den Schutz von ungeborenem Leben ab. Anfang November 2000 hatte die Firma Femagen entschieden, Mifegyne vom österreichischen Markt abzuziehen. Der Vertrieb erfolgt inzwischen über die Allerheiligenapotheke, gemäß bestehender Zulassung nur an Krankenanstalten. (APA/AP)

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