Neid auf die Beamten

23. Juli 2004, 18:00
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So lange Dienstrecht, Bezüge und Pensionen nicht harmonisiert sind, bleibt den Beamten der Neid nicht erspart - Von Conrad Seidl

Wer in unsicheren Zeiten einen sicheren Arbeitsplatz und eine ebenso sichere Altersversorgung hat, kann sich der Neider schwer erwehren. Wer in besseren Zeiten bloß in einer Amtsstube hockt, anstatt auf dem freien Markt ein gutes Einkommen und hohen Lebensstandard zu erarbeiten, wird in gleicher Weise die Spötter um sich scharen.

In diesem Spannungsfeld leben die Beamten schon immer.

Ab und zu, wenn die Zeiten allzu gut und der Spott allzu laut waren, hat man ihnen da eine Zulage oder dort einen höheren Gehaltsabschluss zugebilligt. Wenn die Zeiten schlechter und die Neider zahlreicher waren, hat man das, was unter diesen Umständen als "Privileg" empfunden worden ist, wieder ein bisschen gestutzt. Die Rückschau zeigt: Die Zeiten waren in den letzten 20 Jahren meist schlechter (oder sind zumindest so empfunden worden), weshalb die Beamten in vielen Bereichen den normalen Arbeitskräften gleich-, in einigen wenigen (etwa der Höhe ihrer Pensionsbeiträge und der Abzüge von ihren Pensionen) sogar schlechter gestellt worden sind.

Ob es Beamten insgesamt besser oder schlechter geht als Angestellten in der Privatwirtschaft, nährt regelmäßig einen Expertenstreit. Ebenso die Frage, ob pragmatisierte Beamte für den Staat billiger oder teurer als angestellte Vertragsbedienstete sind. Oder - und das ist die am schwersten zu beantwortende Frage - ob Beamte eigentlich die richtige Leistung und das richtige Ergebnis bringen. Wie soll man denn auch ihr "Produkt", nämlich den funktionierenden Rechtsstaat, mit anderen Produkten vergleichen? Da gibt es eben keinen freien Markt.

Und doch müssen sich Beamten am freien Markt messen lassen - so lange ihr Dienstrecht, ihre Bezüge und ihre Pensionen nicht harmonisiert sind, bleibt ihnen der Neid nicht erspart. (DER STANDARD, Printausgabe, 24./25.7.2004)

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