Wolfgang Ruttenstorfer

20. September 2004, 16:43
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In "Ruttis" Adern fließt pures Öl - Der Vorstandschef verbrachte fast seine gesamte Laufbahn bei der OMV

Eineinhalb Milliarden Euro sind selbst im Ölbusiness kein Pappenstiel. Mit der Übernahme der rumänischen Petrom steigt Österreichs größter Industriekonzern OMV endgültig zum Branchenprimus in Mittel- und Osteuropa auf. Der logische nächste Schritt wäre eine Förderbeteiligung in Russland, und wer OMV-General Wolfgang Ruttenstorfer kennt, zweifelt nicht an der Umsetzung dieser Idee.

Von der Pike auf

An der Spitze der OMV steht nicht irgendein auswechselbarer Jobhopper, sondern ein Manager, der sein Geschäft von der Pike, also vom Zapfhahn auf gelernt hat. Ausgenommen die Jahre 1997 bis 1999, die er unter Rudolf Edlinger als roter Finanzstaatssekretär diente, verbrachte Ruttenstorfer seine gesamte Laufbahn bei der OMV.

Mehr noch: Geboren wurde er am 15. Oktober 1950 in einer Korneuburger Werkswohnung der damaligen Österreichischen Mineralölverwaltung ÖMV, sein Vater war dort Techniker und später Direktor der Raffinerie Schwechat. Als Schüler und Student jobbte Ruttenstorfer an Tankstellen, Diplomarbeit und Dissertation an der WU Wien befassten sich mit � womit sonst � Erdöl. 1976, knapp nach der ersten Ölkrise, trat Ruttenstorfer in das Unternehmen ein. Die Zeiten des Nassrasierens und des autofreien Tages waren bald vergessen. Ruttenstorfer durchlief im Eilzugtempo alle wichtigen Konzernbereiche.

1990, bereits Vertriebschef, erkannte er als einer der ersten die Chancen der Ostöffnung und weitete die OMV-Aktivitäten auf Tschechien, Slowakei, Ungarn, Slowenien, Kroatien, Norditalien und Bayern aus. Unter seiner Regie entstand auch die Tankstellenmarke OMV. Mitte 1992, als sein Vorgänger Viktor Klima in die Politik wechselte, wurde er Finanzchef. Der spätere Kanzler war es auch, der den Manager, der immer Manager bleiben sollte, in die Himmelpfortgasse holte, wo er die Grundsteine der Verwaltungs- und Börsenreform legte.

Die Scheichs aus Abu Dhabi, strategische Partner der teilstaatlichen OMV, waren es, die "rechtzeitig" Druck machten, dass "Rutti" zurück in die OMV wechselte. Noch während der ins Leere laufenden Koalitionsverhandlungen SPÖ�ÖVP Ende 1999.

Konsequenter Stratege

Seit 1. Jänner 2002 ist der als geschickter Verhandler und konsequenter Stratege beschriebene Finanzer OMV-Vorstandschef. Gelungen ist ihm beruflich bisher alles, sogar der Schulterschluss mit der einst äußerst reservierten Belegschaft. Privat gingen zwei Ehen in die Brüche. Doch Öl von gestern � auch hier: Ruttenstorfer hat ein drittes Mal geheiratet und mit Ehefrau Beate eine zweijährige Tochter, neben zwei erwachsenen Söhnen. Das Wochenende mit der Familie ist ihm heilig, geurlaubt wird in Österreich. In die Politik will Ruttenstorfer nicht zurück. Edlinger: "OMV-General war immer sein Traum." (Michael Bachner, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24./25.7.2004)

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