Gewinnwarnung und Sparprogramm bei VW

8. September 2004, 13:58
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Prognose bei operativem Ergebnis auf 1,9 Milliarden Euro gesenkt - Bisher 400 Millionen eingespart - Probleme in China

Wolfsburg - Der Volkswagenkonzern kann trotz eines gewaltigen Sparprogramms sein Ergebnisziel nicht halten und hat eine Gewinnwarnung abgegeben. Der Autobauer rechnet angesichts scharfer Konkurrenz und schwacher Wechselkurse nur noch mit einem operativen Gewinn vor Sondereinflüssen von 1,9 Mrd. Euro im Jahr 2004, wie der Konzern am Freitag in Wolfsburg mitteilte. Bisher hatte Konzernchef Bernd Pischetsrieder 2,5 Mrd. Euro in Aussicht gestellt. In den ersten sechs Monaten wurden 979 Mio. Euro erreicht, ein Minus von knapp 20 Prozent.

Bisher 400 Millionen eingespart

Der Nettogewinn fiel sogar um fast 36 Prozent auf 383 Mio. Euro. Dabei hat das Sparprogramm unter dem Namen ForMotion den Autobauer vor dem Abrutschen in die roten Zahlen bewahrt: 400 Mio. Euro wurden bisher eingespart, wie der Konzern mitteilte. Bis Jahresende soll die Summe auf über eine Milliarde Euro steigen. Besonders kräftig werden die Investitionen zusammengestrichen, im Autobereich um 15 Prozent. Im nächsten Jahr sollen die Einsparungen auf mindestens drei Mrd. Euro steigen. So sollen nach Angaben aus VW-Kreisen wenig nachgefragte Motoren aus dem Programm fliegen.

Im ersten Halbjahr 2004 hat der VW-Konzern 2,5 Mio. Autos ausgeliefert, das sind 1,7 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2003. Der Umsatz stieg um 7,3 Prozent auf 45,9 Mrd. Euro. Damit lag der VW-Konzern im zweiten Halbjahr wie angekündigt besser als im desaströsen ersten Quartal, als der Konzern nur um ein Haar am Verlust vorbeigeschrammt war. Schon 2003 hatte VW einen Gewinneinbruch von 48 Prozent auf 2,5 Mrd. Euro vor Sondereinflüssen ausgewiesen.

Gewinnbringer Audi

Der große Gewinnbringer wieder war die Markengruppe Audi (Audi, Seat, Lamborghini), die 550 Mio. Euro zum operativen Gewinn beisteuerte, 10 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2003. Die Gruppe Volkswagen (VW, Skoda, Bentley) machte nach einem ersten Quartal in der Verlustzone wieder knapp Gewinn und erzielte 33 Mio. Euro, rund 90 Prozent weniger als im Vergleichszeitraum. Die Nutzfahrzeuge rutschen trotz des neuen Transporters tiefer ins Minus mit 134 Mio. Euro Verlust. Die Finanzdienstleistungen lieferten mit 510 Mio. einen stabilen Gewinn.

Bei den Regionen tut sich für Volkswagen ein neues Problem auf: Auf dem wichtigen chinesischen Markt fielen zum ersten Mal die Auslieferungen: minus 4,2 Prozent auf 311.000 Autos. Als Grund nannte VW "massiv ansteigende Kaufanreize anderer Hersteller". VW baut zur Zeit in China die Kapazität stark aus. Allerdings machte Asien noch rund 200 Mio. Euro Gewinn. In Nordamerika dagegen verlor VW im ersten Halbjahr 500 Mio. Euro. Als Grund wurde der gesunkene Absatz und der schwächere Dollarkurs genannt. Besser lief Europa, wo VW Marktführer bleibt und mit einem operativen Gewinn von 1,3 Mrd. Euro noch zulegte.

Marktbelebung wird nicht erwartet

VW rechnet nach eigenen Angaben nicht damit, dass sich die Automärkte 2004 noch deutlich beleben werden. Auch die scharfe Konkurrenz in USA, Europa und China werde nicht nachlassen, hieß es. Der harte Wettbewerb zwingt VW zu Rabatten, die den Gewinn schmälern.

Seit März hatte Volkswagen von anziehenden Verkäufen beim wichtigsten Modell Golf berichtet. Allerdings unterstützt der Konzern den Golf-Absatz mit einer kostenlosen Klimaanlage und über 900 Euro Zuschüssen bei der Inzahlungnahme eines Altautos.

Dass VW seine Prognose für den Gewinn 2004 nicht werde halten können, war weithin erwartet worden. Am Markt war sogar über eine Prognosesenkung bis auf 1,5 Milliarden Euro spekuliert worden. Deshalb legte die Aktie nach Veröffentlichung der Zahlen um 1,7 Prozent auf 33,20 Euro zu und war damit zweitstärkster Gewinner in einem leicht steigenden Gesamtmarkt. Da die Aussagen zu Auslieferungen und der Branche nicht ermutigend waren, wird in Zukunft mit einer schlechteren Entwicklung der Aktie als der Markt gerechnet. (APA/AP/Reuters)

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