Belgrad: Bergarbeiter blockieren Serbien-Transit

24. Juli 2004, 12:13
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Staus reichten 20 Kilometer zurück - Polizei wagte nicht, Gewalt anzuwenden

Rund 2000 Arbeiter aus dem Kupferbergwerk in Bor haben in der Nacht auf Freitag mit schwerem Gerät bei der Stadt Nis in Südserbien eine der wichtigsten internationalen Straßen auf dem Balkan blockiert: die Autobahn nach Griechenland und in den Nahen Osten.

Bald bildeten sich rund zwanzig Kilometer lange Autoschlangen. Auch auf den Nebenstraßen kollabierte der Verkehr. Urlauber und viele türkische und griechische Gastarbeiter schwitzten stundenlang in der Sommerhitze. Mehr als Wasserbehälter entlang der überfüllten Straßen aufzustellen, konnten die Behörden nicht tun. Die Polizei wagte es nicht, Gewalt gegen die wegen ihrer miserablen sozialen Lage verärgerten Bergleute und Einwohner von Bor und Majdanpek anzuwenden. Die schweren Maschinen könnten nur durch Panzer geräumt werden.

Wirtschaftliche Schwierigkeiten

Der soziale Verfall dieser einst reichen Industrieregion ist ein Musterbeispiel für die enormen wirtschaftlichen Schwierigkeiten in Serbien. Die Förderung von Kupfererz ist in diesem Tagebau seit 1989 auf ein Fünfzigstel gesunken: Die Maschinen sind veraltet, der Bergbau müsste modernisiert werden, aber die Staatskasse ist leer. In Bor gibt es rund 10.000 Arbeitslose, das Durchschnittsgehalt beträgt rund 140 Euro. Gewerkschafter beschuldigen die "korrumpierte" Regierung, das Bergwerk "absichtlich" ruinieren zu wollen, um es dann "Freunden" billig verkaufen zu können. Die Kumpel drohen mit einem Protestmarsch nach Belgrad, wenn ihre Gehälter nicht erhöht und die Probleme des Bergwerks nicht gelöst werden. (DER STANDARD, Printausgabe 24./25.4.2004)

Von Andrej Ivanji aus Belgrad
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