Saliera-Prozess: Anfang September geht es weiter

30. Juli 2004, 12:12
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Angeklagter im Spital - Seipel muss als Zeuge aussagen

Wien - Der in der Vorwoche geplatzte Betrugsprozess um die verschwundene "Saliera" - der Angeklagte hatte sich mit Verdacht auf Herzinfarkt in Spitalsbehandlung begeben - wird am 3. September verhandelt. Das hat nun Richter Friedrich Zeilinger entschieden. Schlechte Nachrichten gab es für den Direktor des Kunsthistorischen Museums (KHM), Wilfried Seipel, der dem mutmaßlichen Hochstapler 7.000 Euro für die Wiederbeschaffung des wertvollen Salzfasses gezahlt hatte: Ihm bleibt ein Zeugenauftritt nicht erspart.

Einen solchen wollte Seipel möglicherweise vermeiden: Er sei in Japan und vertrete dort die Interessen des KHM "nach außen", hatte er sich in der vorigen Woche vor der anberaumten Verhandlung gegen den 43-jährigen Wiener entschuldigen lassen. "Direktor Seipel wurde wieder geladen und wird das nächste Mal auch kommen", sagte der Richter nun.

Notwendigkeit

Dies ist schon allein deshalb unumgänglich, weil sich der Angeklagte nicht geständig zeigen wird, wie sein Verteidiger Ronald Rast ankündigte. Um die Schuldfrage zu klären, ist das Gericht daher auf die Zeugenaussage des Geschädigten angewiesen.

Der bereits wegen Betruges vorbestrafte 43-Jährige war Anfang Mai bei Seipel vorstellig geworden und hatte laut Anklage vorgegeben, den Täter zu kennen, der am 11. Mai 2003 - angeblich im Auftrag italienischer Gangster - die "Saliera" aus dem Museum gestohlen hatte. Seipel gab ihm Geld, nachdem der mutmaßliche Betrüger erklärt hatte, er könne die "Rückholung" arrangieren, müsse aber die Hotel-Rechnung des Einbrechers bezahlen. Die avisierte Übergabe des Kunstwerks fand dann nie statt.

Angeklagter nicht in U-Haft

Es war übrigens doch keine Herzattacke, die eine Verschiebung des Verfahrens erzwungen hatte. "Nach Durchsicht der ärztlichen Unterlagen kann ich das nicht erkennen", teilte der Richter mit. Der schwer herz- und nierenkranke Mann dürfte aber doch unter massiven Beschwerden gelitten haben ("Es wimmelt nur so von lateinischen Fachausdrücken", meinte dazu Zeilinger), dass er nicht -wie ursprünglich angedroht - in U-Haft genommen wurde. Der Mann bleibt vorerst bis zum Prozess auf freiem Fuß.(APA)

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