Deutsche Medienbranche verlor 2002 und 2003 85.000 Beschäftigte

30. Juli 2004, 14:41
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Vier größten Medienstädte Hamburg, Berlin, München und Köln mussten Verluste hinnehmen

In der deutschen Medienwirtschaft sind in den Jahren 2002 und 2003 insgesamt 85.200 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze verloren gegangen. Das hat das BAW-Institut für Wirtschaftsforschung in Bremen in seiner neuesten Untersuchung ermittelt. Es ist die dritte derartige Studie nach 1998 und 2000. Seien von 1998 bis 2001 noch Beschäftigungsgewinne realisiert worden, so habe sich die wirtschaftlich schwierige Lage danach in Arbeitsplatzverlusten niedergeschlagen.

Verluste

Dabei mussten die vier größten Medienstädte Hamburg (minus 3,3 Prozent), Berlin (minus 4,3 Prozent), München (minus 4,4 Prozent) und Köln (minus 2,7 Prozent) allesamt Verluste hinnehmen. Es gab aber auch Regionen mit Zuwächsen, allen voran die frühere Bundeshauptstadt Bonn, wo die Zahl der Medienbeschäftigten um 42,8 Prozent zunahm. Beim Anteil der Medienwirtschaft an der lokalen Gesamtbeschäftigung kletterte Bonn um neun Plätze auf Rang vier.

In Hamburg, Berlin, München und Köln konzentrieren sich über die Hälfte (58,5 Prozent) der Beschäftigung der 20 größten Medienstädte und fast ein Viertel (22 Prozent) der bundesweiten Medienmitarbeiter. An der Spitze lag 2003 weiterhin Hamburg mit 61.300 Beschäftigten vor Berlin (58.900), München (53.200) und Köln (37.900). Bonn verbesserte sich mit 10.900 Mitarbeitern auch in dieser Statistik um vier Plätze auf Rang zwölf. Insgesamt beschäftigte die Medienbranche in den 20 größten Standorten knapp 416.000 Menschen, bundesweit waren es etwa 1,1 Millionen.

Leichte Zuwächse im Osten

Unter den ostdeutschen Medienstandorten gab es sowohl in Leipzig (plus 2,5 Prozent) als auch in Dresden (plus 0,2 Prozent) leichte Zuwächse. Besonders Leipzig erwies sich als dynamische Medienstadt. Mit knapp 14 000 Mitarbeitern liegt die sächsische Messestadt auf Platz neun unter den größten Standorten. Der Anteil der Medienbeschäftigten an der Gesamtbeschäftigung beträgt 7,2 Prozent und liegt damit deutlich höher als im Durchschnitt der 20 Vergleichsstädte (6,37 Prozent). Den höchsten Anteil hat Köln mit 8,36 Prozent vor Hamburg (8,18 Prozent), München (7,90 Prozent), Bonn (7,58 Prozent) und Leipzig.

Zur regional unterschiedlichen Entwicklung der Medienwirtschaft schreiben die Forscher, dass etwa Bonn von der Verlegung der Deutschen Welle aus Köln nach Bonn profitiert habe. Leipzig habe gegen den Trend im Verlagswesen hinzugewonnen und seine Stellung im Komplex Radio/Fernsehen und Film weiter ausgebaut. Düsseldorf habe sich in der Werbebranche gut behauptet, Köln und Berlin Beschäftigungsverluste in einigen Bereichen durch Zuwächse in anderen teilweise ausgeglichen. (APA/dpa)

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