Maßgeschneiderte Krebsbehandlung

25. Juli 2004, 14:30
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Gefürchtete Nebenwirkungen der Chemotherapie sollen in Zukunft mit Hilfe der Genforschung bekämpft werden

New Orleans - Manche Krebskranke müssen während einer Chemotherapie grauenhafte Nebenwirkungen durchleiden. Andere Patienten spüren dagegen kaum etwas von der Behandlung. Grund dafür sind möglicherweise Nuancen in den Genen der Betroffene. Die Erforschung solcher winziger Unterschiede zwischen den Genen einzelner Krebskranker könnte eines Tages zur Entwicklung "maßgeschneiderter" Chemotherapien ohne die gefürchteten Nebenwirkungen führen. Vielleicht lässt sich dann schon vorher beurteilen, wie die Patienten auf bestimmte Therapieformen reagieren werden.

Bisher bemüht sich die Medizin vor allem darum, individuell auf die von Person zu Person unterschiedlichen genetischen Defekte einzugehen, die den Krebs ausgelöst haben. Weniger Augenmerk finden die sonstigen Gen-Variationen, die entscheidend dafür sind, wie elend es den Patienten während der Therapie geht.

Mögliche Erklärungen

Der Wissenschafter Harry Bleiberg vom Jules-Bordet-Institut in Brüssel erklärte bei einer Tagung der Amerikanischen Gesellschaft für klinische Onkologie in New Orleans, Erkenntnisse darüber könnten vielleicht erklären, "warum ein Medikament der einen Person gut tut und einer anderen nicht, oder warum sich bei jemandem schwere toxische Wirkungen zeigen". Es handle sich um eine sehr wichtige Frage, sagte die Präsidentin der Gesellschaft, Margaret Tempero von der University of California in San Francisco. "Es könnte entscheidend dafür sein, welche Dosis wir geben, oder ob wir vielleicht überhaupt kein Medikament geben."

Studie I

In einer Studie an 494 Patienten hatten Jeff Sloan und andere Mediziner von der Mayo-Klinik Unterschiede in solchen Genen erkundet, die die Verwertung des Vitamins Folsäure im menschlichen Körper regulieren. Sloan fand heraus, dass diese Gen-Muster anscheinend einen Einfluss darauf haben, wie gut eine bei fortgeschrittenem Darmkrebs verwendete Kombination aus drei Medikamenten anschlägt. Zu den möglichen Nebenwirkungen dieser Therapie gehören Schwäche, Durchfall, Übelkeit, Erbrechen, Austrocknung, Taubheitsgefühl in Händen und Füßen sowie eine Verringerung der Zahl der weißen Blutkörperchen.

Viele normale Gene kommen bei einzelnen Menschen in leicht unterschiedlichen Nuancen vor. Bei der Erforschung des Gens DPYD beispielsweise kam das Mayo-Team zu dem Schluss, dass Patienten mit zwei bestimmten Variationen dieses Gens offenbar weit weniger von Schwäche befallen werden als Menschen mit der üblichen Form des Gens.

Studie II

Bei einer anderen Studie unter Leitung von Rebecca Suk vom Massachusetts General Hospital wurde eine Gen-Variante identifiziert, die Einfluss darauf zu haben scheint, ob Patienten, die wegen fortgeschrittenen Lungenkrebses behandelt werden, während der Chemotherapie an Erbrechen und anderen Nebenwirkungen im Magen-Darm-Trakt leiden. Das Forscherteam untersuchte 147 Patienten auf Varianten eines Gens, das bei der Reparatur von DNA-Störungen mitwirkt.

Dabei fand man heraus, dass 30 Prozent der Patienten mit unüblichen Varianten dieses Gens zur Entwicklung besonders schwerer Nebenwirkungen neigten. Bei den Patienten mit dem Standard-Gen waren es nur 14 Prozent. Die Forscher nehmen an, dass bei den Menschen mit den unüblichen Genvarianten die Reparatur der durch die Chemotherapie entstandenen DNA-Schäden weniger wirksam ist als bei Menschen mit der vorherrschenden Gen-Form. (APA/AP)

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    Die Erforschung winziger Unterschiede zwischen den Genen einzelner Krebskranker könnte zur Entwicklung "maßgeschneiderter" Chemotherapien ohne die gefürchteten Nebenwirkungen führen.

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