Großbritannien bereitet Einsatz einer Schutztruppe vor

24. Juli 2004, 20:06
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UNICEF besorgt über Lage der Flüchtlinge

London/Frankfurt/Main - Die britische Regierung bereitet die Entsendung einer 300 Mann umfassenden Schutztruppe in den Sudan vor. Entwicklungshilfeminister Hilary Benn sagte am Freitag gegenüber dem britischen Sender BBC, der geplante Einsatz dieser Soldaten und weiterer 120 Waffenstillstands-Beobachter könne eine "echte Wirkung" auf die Regierung in Khartum haben. Großbritannien sei die führende internationale Kraft, um die sudanesische Regierung zu bewegen, die Gewalt in der Krisenprovinz Darfur zu beenden, sagte Benn weiter.

Premierminister Tony Blair hatte am Donnerstag eine Militärintervention im Sudan nicht ausgeschlossen, jedoch betont, der Zeitpunkt dafür sei noch nicht gekommen. "Wir schließen nichts aus, aber wir sind noch nicht in diesem Stadium", hatte Blair in London gesagt: "Wir müssen einfach abwarten und schauen, wie sich die Dinge entwickeln." Nach den Angaben plant Außenminister Jack Straw für August eine Reise in den Sudan.

Der internationale Druck habe bereits Wirkung bei der humanitären Hilfe gezeigt, sagte Benn. "Wir haben aber noch nicht genügend Fortschritte gesehen, die Milizen daran zu hindern, Menschen anzugreifen." Großbritannien habe eine "moralische Verantwortung zu handeln", wiederholte der Minister eine Äußerung Blairs vom Donnerstag. Blair hatte wiederholt gesagt, dass sein Land einen Völkermord wie in Ruanda nicht zulassen werde, jede Art von Intervention aber nur in Zusammenarbeit mit der Afrikanischen Union geschehen könne.

Der sudanesische Außenminister Mustafa Osman Ismail hatte London am Donnerstag vor einem Einsatz der britischen Armee in Darfur gewarnt. Die britischen Soldaten würden von der Bevölkerung der Region bald als Besatzer empfunden werden; dann drohe eine Lage wie im Irak, hatte Ismail erklärt. Die sudanesische Regierung werde ihre eigenen Truppen bei einem britischen Einsatz aus Darfur abziehen.

Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen UNICEF hat sich erneut besorgt über die Lage der Flüchtlinge in Darfur geäußert. Mit dem Beginn der Regenzeit drohten Durchfall und Malaria, sagte UNICEF-Vertreter Christian Schneider am Freitag in Frankfurt. Dies treffe vor allem kleine Kinder. 20 Prozent der Flüchtlinge in den rund 150 Camps seien nach Schätzungen unter fünf Jahre alt. Jedes fünfte von ihnen sei unterernährt.

US-Außenminister Colin Powell und UNO-Generalsekretär Kofi Annan hatten am Donnerstagabend die Regierung in Khartum gedrängt, schnellstens die arabischen Milizen zu entwaffnen, die die nichtarabische Bevölkerung in der Region terrorisieren. Sanktionen gegen die sudanesische Regierung seien durchaus gerechtfertigt, wenn diese nicht umgehend reagiere, hatte Powell betont.

In Darfur sind mehr als eine Million Menschen auf der Flucht. Nach Angaben der Vereinten Nationen flohen etwa 200.000 in den Tschad; teilweise wurden sie von den Milizen über die Grenze verfolgt. Bis zu 30.000 Menschen wurden nach UNO-Schätzungen bisher getötet, Hunderte von Dörfern von den Milizen niedergebrannt. (APA/dpa)

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