"Parsifal" kann mit Schlingensief nichts anfangen

23. Juli 2004, 18:18
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Sänger Wottrich zeigt sich entsetzt ob der "Gräuel" der Inszenierung - Reaktion der Festspielleitung: Äußerungen sind "private Angelegenheit"

Bayreuth - Die Bayreuther Festspielleitung hat die Kritik von "Parsifal"-Darsteller Endrik Wottrich an der umstrittenen Inszenierung von Regisseur Christoph Schlingensief als "private Angelegenheit" bezeichnet. Jeder Künstler habe das Recht, seine eigene Meinung zu äußern, sagte Festspielsprecher Peter Emmerich am Freitag. Allerdings sei es unüblich, dass sich ein Protagonist auf diese Weise öffentlich äußere.

Inszenierung ist für Wottrich "ein Gräuel"

Der Sänger des Parsifal, Endrik Wottrich, im Bayerischen Rundfunk (BR) von Schlingensiefs "Parsifal"-Inszenierung distanziert. In einem Interview sagte er, er sei entsetzt von der Regiearbeit und habe sich entschieden, den Parsifal in Bayreuth im nächsten Jahr nicht mehr zu singen. Schlingensief übergehe Richard Wagner, seine Inszenierung sei "durchsetzt von Gemeinplätzen". Bei einigen Sänger-Darstellern herrsche "große Frustration".

Schlingensiefs Inszenierung, so Wottrich, sei ihm "ein Gräuel". Schlingensief und sein Dramaturg hätten das Stück "überhaupt nicht gekannt". Ursprünglich habe der Regisseur eine Arbeitsgrundlage vorgestellt, von der man hätte sagen können, "das wird schön, das wird angenehm". Nachdem er, Schlingensief, dann in Afrika gewesen sei, habe er jedoch alles umgeschmissen, sagte Wottrich dem BR. Schlingensief habe ein Konzept vorgegaukelt, an das er sich letztendlich nicht gehalten habe.

"Ich war dumm genug, nachzugeben"

Das Wagnis, Schlingensief zu engagieren, sei außerordentlich mutig gewesen, fügte der Sänger hinzu. Festspielleiter Wolfgang Wagner habe es aber mit einem Menschen zu tun, der sich um nichts schere als seine eigene Laune. Schlingensief habe seine künstlerische Freiheit nicht mit künstlerischer Autorität, sondern mit juristischen Schachzügen durchgesetzt.

Wottrich selbst sei bereits nach drei Probentagen aus der Produktion ausgestiegen, wurde aber dann "in die Produktion zurückgebeten, weil man einen Parsifal nicht einfach auf der Straße findet". Wottrich weiter: "Ich war dumm genug, nachzugeben, das war ein großer Fehler. Ich habe daraufhin die unerfreulichste Probenzeit meines Lebens erlebt". (APA/dpa)

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