Dobermann fiel Kind im Freibad an

30. Juli 2004, 12:05
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Tierärztepräsident Helmut Wurzer fordert strenge Kontrollen: "Die Besitzer allein sind für das Aggressionsverhalten der Tiere verantwortlich"

Die Serie von Hundeattacken reißt nicht ab. Jüngstes Opfer ist ein fünfjähriges Mädchen, das in einem Kärntner Bad am Ossiacher See von einem Dobermann angefallen wurde. Tierärztepräsident Helmut Wurzer fordert strenge Kontrollen von Hundehaltern.

Klagenfurt/Wien – Nach einer neuerlichen Hundeattacke auf ein Kleinkind in einem Kärntner Bad fordert nun auch der Präsident der österreichischen Tierärztekammer, Helmut Wurzer, "strenge Kontrollen" – für die Hundehalter. "Die Besitzer allein sind für das Aggressionsverhalten der Tiere verantwortlich", sagte Wurzer am Freitag.

Der jüngste Zwischenfall ereignete sich Donnerstagabend in einer Privatbadanlage in Landskron am Ossiacher See. Ein Dobermann fiel ein fünfjähriges Mädchen an, das ihm auf der Suche nach einem Ball zu nahe gekommen war. Die kleine Melanie aus Treffen im Bezirk Villach-Land erlitt Bissverletzungen im Gesicht.

Nach einer Operation hieß es Freitag im Landeskrankenhaus Villach, das Mädchen habe "kleine Rissquetschwunden" auf der Stirn, an der Oberlippe und am linken Oberlid erlitten. Bei normalem Heilungsverlauf dürften lediglich geringe Narben zurückbleiben. Melanie und ihre Eltern wurden im Spital auch psychologisch betreut.

Der 38-jährige Hundebesitzer wurde angezeigt. Er gab an, dass das Mädchen dem Dobermann auf die Pfote gestiegen sein. Es war nicht der erste Zwischenfall mit einem Hund im Bereich Treffen. Erst vor zehn Tagen war ein Dackel von zwei belgischen Schäferhunden tot gebissen worden.

Wie berichtet, waren erst vor einer Woche ein siebenjähriges Mädchen und seine Halbschwester (20) im steirischen Leoben von einem American Staffordshire Terrier angefallen und schwer verletzt worden. Warum der Hund die beiden, die ihn Gassi geführt hatten, angegriffen hatte, war bis Freitag unklar. Der Hund war so in Rage, dass er sich sogar noch in die Stoßstange des Autos, in das die Opfer geflüchtet waren, verbiss.

Tierärztepräsident Wurzer appelliert angesichts der bedauernswerten Zwischenfälle nicht wieder in eine "undifferenzierte Kampfhunde-Debatte" zu verfallen. Es sei nicht die Hunderasse, die einen Hund zum Kampfhund mache, sondern seine Erziehung. Vorrangig sei daher, die Hundehaltung möglichst transparent und kontrollierbar zu machen. Wurzer empfiehl Tierhaltern, den neuen EU-Heimtierausweis als Begleitdokument zu erwerben. Dieser ermögliche die Identifizierung des Hundes und des Besitzers.

"Tuan eh nix" In Österreich werden jährlich mehr als 6000 Menschen von Hunden gebissen. Die Meinungen zum Thema Kampfhund gehen weit auseinander. Der Standard machte Freitagmittag die Probe auf Exempel. Hugo-Wolf-Park im 19. Bezirk: "Geh sch... di net an, de tuan eh nix", will ein Mann wissen, der mit seinen beiden freilaufenden Dogo Argentinos in der Nähe des Spielplatzes Gassi geht.

Nächster Schauplatz: Wiese im Wiener Prater, ein Pärchen wirft Stöckchen für seine Staffordshirehündin Shiva: "Sie ist keine Beißerin, aber dort, wo viel los ist, leinen wir sie auf jeden Fall an, man kann ja nie wissen." Ein Stück weiter in der abgegrenzten Hundezone führt ein junger Mann im Trägerleiberl seinen Staffordshire Gassi: "Meiner ist scharf gemacht, deshalb hab ich ihn immer an der Leine."

Wasserspielplatz auf der Donauinsel, eine Mutter erzählt: "Meine Tochter wurde im Kinderwagen von einem Schäferhund angesprungen. Er hat ihr nur das Gesicht abgeleckt, aber seither weint sie immer, wenn sie einen Hund nur sieht."

Die gesetzlichen Bestimmungen, welche Tiere gehalten werden dürfen, sind von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. In Wien ist es verboten, Kampfhunde zu züchten oder zu verkaufen. In Oberösterreich ist ein "allgemeiner Sachkundenachweis" für alle neuen Hundebesitzer vorgeschrieben. In Tirol sind explizit Hunderassen aufgezählt, für die Bewilligungen nötig sind. Statistisch sicher ist nur, dass Rüden häufiger zubeißen. (die, simo, tb/DER STANDARD Printausgabe 24./25. Juli 2004)

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